Die französische Unternehmerin Liliane Bettencourt ist gestorben. Sie sei friedlich zu Hause in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 94 Jahren gestorben, teilte ihre Tochter Françoise Bettencourt-Meyers mit.

Bettencourt wurde 1922 in Paris geboren, ihr Vater war der Gründer des Kosmetikkonzerns L'Oréal. Von ihm erbte sie den Mehrheitsanteil und war 1995 bis 2012 Mitglied des Verwaltungsrates. Bettencourt galt als die reichste Frau Frankreichs, weltweit rangierte sie nach Schätzungen des US-Magazins Forbes auf Platz 14 der reichsten Menschen der Welt.

Mit ihrem Vermögen war sie eine einflussreiche Mäzenin. So war sie in den Achtzigerjahren die maßgebliche Kraft bei der Gründung der Fondation Bettencourt Schueller. Die Stiftung förderte Kultur, Wissenschaft und Soziales. Sie errichtete Häuser für Frauen in Not und finanzierte Programme für Alphabetisierung, für die Bekämpfung von Aids in Afrika und für den Denkmalschutz in Frankreich.

Nach dem Tod ihres Mannes 2007 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Ab 2008 kam es zu öffentlichen Auseinandersetzungen um das Erbe. Bettencourts einziges Kind, ihre Tochter Françoise Bettencourt-Meyers, erstattete Anzeige wegen Missbrauchs ihrer Mutter. Sie soll im Zustand geistiger Verwirrtheit einem Hausfreund Geschenke im Wert von fast einer Milliarde Euro übertragen haben. Bettencourt-Meyers beantragte in diesem Zusammenhang die Vormundschaft für ihre Mutter. Das zuständige Gericht lehnte ab. Daraufhin kam es zu Rechtsstreitigkeiten zwischen Mutter und Tochter. 2011 wurde Bettencourt schließlich rechtskräftig wegen ihrer Demenzerkrankung entmündigt.

Fast zeitgleich war Bettencourt zudem in eine Staatsaffäre verwickelt. Französische Ermittler hatten den damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy verdächtigt, ihre Demenzerkrankung ausgenutzt zu haben, um an Geld für seinen Wahlkampf 2007 zu kommen. Richter hatten daraufhin ein Verfahren gegen Sarkozy eingeleitet, der alle Vorwürfe bestritt. Es kam zu keinem Prozess. Die Untersuchungsrichter ließen die Vorwürfe in der Korruptions- und Spendenaffäre um die L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt fallen, teilte die französische Justiz mit. Die Beweislage gegen Sarkozy habe nicht für einen Strafprozess ausgereicht.