Die Vereinten Nationen machen auf das Schicksal der Rohingya-Minderheit in Myanmar aufmerksam. Die Möglichkeit zur Aufnahme von Flüchtlingen stoße in Bangladesch an ihre Grenzen. Die Camps seien voll, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk, mindestens 123.000 Angehörige der muslimischen Minderheit seien bereits aus Myanmar geflohen. Hilfsorganisationen hätten Schwierigkeiten, alle Menschen unterzubringen, und sie mit Essen und medizinischer Hilfe zu versorgen. Täglich kämen Tausende Geflüchtete, teilte das Internationale Organisation für Migration mit.

Mehr als eine Million Rohingyas leben im Bundesstaat Rakhine in Myanmar. Seit Ende August gab es dort eine neue Welle der Gewalt gegen die muslimische Minderheit, fast 400 Menschen sollen ums Leben gekommen sein. Aus Sicherheitsgründen hatte das Welternährungsprogramm Hilfslieferungen in Rakhine eingestellt. Seit Oktober 2016 geht die Armee Myanmars wegen angeblicher Angriffe auf Grenzposten gegen die Rohingya vor. Die Vereinten Nationen sprechen von "Völkermord" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Doch auch in Bangladesch, wohin die meisten Rohingya flüchten, gelten sie als unwillkommen, dürfen weder arbeiten, heiraten noch sich frei bewegen.

Der Willkür von Polizei, Militär und Behörden ausgesetzt

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration brauchen die UN-Hilfsorganisationen für die nächsten drei Monate dringend etwa 15 Millionen Euro zur Unterstützung der Flüchtlinge. Die Organisation appellierte an Regierungen, das Geld für lebensrettende Maßnahmen aufzubringen. Die Menschen benötigten Zelte, Decken, Essen und medizinische Versorgung. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes sind viele teils tagelang umhergeirrt und nach eigenen Angaben unter Beschuss gekommen. Sie hätten nur mit Regenwasser überlebt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rief Myanmars De-facto-Regierungschefin, die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, auf, ihre moralische Autorität auszuüben und die Gewalt gegen die Minderheit zu verurteilen. Es sei beschämend, dass sie das bislang nicht tue. 

In dem buddhistisch geprägten Land sehen sich die Rohingya seit Jahrzehnten Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Viele besitzen keine Pässe und werden nicht als Staatsbürger anerkannt, selbst wenn sie seit Generationen im Land sind. Das 1982 von der damaligen Militärjunta erlassene Staatsbürgerrecht zählt die Rohingya nicht zu den 135 offiziell anerkannten ethnischen Gruppen. Sie sind der Willkür von Polizei, Militär und Behörden weitgehend schutzlos ausgeliefert und gelten als eine der am stärksten verfolgten Minderheiten der Erde.