In der US-Stadt St. Louis haben auch am vierten Tag nach dem Urteil Hunderte Menschen gegen den Freispruch eines weißen Ex-Polizisten protestiert, der 2011 einen Afroamerikaner erschossen hatte. Nach friedlichen Protesten am Montagmorgen gerieten Demonstranten und Polizisten am Abend erneut aneinander. Dabei beschwerten sich die Beteiligten über die Aggressivität der Polizisten.

Laut Angaben eines Fotojournalisten und der Nachrichtenagentur AP skandierten die Beamten "Wessen Straßen? Unsere Straßen", während sie Demonstranten festnahmen. Die Formulierung wird üblicherweise bei Demonstrationen der Bewegung Black Lives Matter (Schwarze Leben zählen) verwendet. Nach mehreren Fällen, bei denen Afroamerikaner von Polizisten getötet wurden, protestieren Anhänger der Bewegung in vielen Städten der USA gegen Polizeigewalt, die von ihnen als rassistisch motiviert und von der Justiz toleriert angesehen wird.

Bei einer Pressekonferenz am Sonntag sagte Polizeichef Lawrence O'Toole, die Polizei habe "in der Nacht gewonnen". Die festgenommenen Demonstranten bezeichnete er als Kriminelle. Ein Mitglied des Stadtrats von St. Louis beschrieb diese Aussage als "schwer enttäuschend". Von Freitag bis Sonntag wurden laut Angaben der Polizei insgesamt 140 Menschen während der Proteste festgenommen.

Ein Gericht in St. Louis hatte am Freitag den 36-jährigen früheren Polizisten Jason Stockley vom Vorwurf des Mordes freigesprochen. Im Rahmen von Drogenermittlungen hatte er vor sechs Jahren einen 24-jährigen Afroamerikaner verfolgt und in dessen Auto erschossen. Stockley hatte ausgesagt, er habe den Mann in Notwehr erschossen, als er nach einem Revolver griff. Die Waffe ist aber auf mehreren Überwachungs- und Handyvideos nicht zu sehen. Eine Kamera im Polizeiwagen hielt hingegen fest, wie Stockley zu einem Kollegen sagte, dass er den mutmaßlichen Drogenhändler töten werde.

Die Staatsanwaltschaft warf Stockley vor, nachträglich eine Waffe in das Auto des Getöteten gelegt zu haben, um den Todesschuss zu rechtfertigen. Das sah das Gericht nicht als erwiesen an: Eine Mordabsicht sei aus Mangel an Beweisen nicht ersichtlich.