Im Berufsleben, in der Schule, bei der medizinischen Betreuung – in der Ukraine werden Homosexuelle in "praktisch allen Bereichen" des Lebens diskriminiert. Das geht aus einem Bericht des Europarats hervor, in dem das Komitee gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) vor einer "deutlichen Zunahme" von Gewalttaten gegen Homosexuelle warnt.

Dem Bericht zufolge wurden seit 2014 in der Ukraine mindestens 32 Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung gewaltsam angegriffen, darunter auch Teilnehmer der Gay-Pride-Parade im Juni 2015 in Kiew. Sechs Menschen sollen in den vergangenen drei Jahren wegen ihrer gleichgeschlechtlichen Orientierung ermordet worden sein. Die Dunkelziffer könnte aber höher sein.

Vorurteile in der Ukraine weit verbreitet

Der Europarat warnt, dass Vorurteile gegen Homosexuelle in der ukrainischen Gesellschaft weit verbreitet seien. Vor allem im Berufsleben würden Schwule und Lesben schikaniert und diskriminiert. Das Gremium des ECRI verweist auf eine Umfrage aus dem Jahr 2013, in der zwei Drittel der Befragten angegeben hatten, Homosexuelle für "pervers" zu halten. Einen Grund für die starke Präsenz solcher Vorurteile sehen die Experten in der Verwendung medizinischer Lehrbücher in der Ukraine, in denen Homosexualität als "Geisteskrankheit" oder "sexuelle Perversion" beschrieben wird. 

In dem Bericht, der die Zeitspanne zwischen 2011 und 2017 umfasst, fordert das Expertenkomitee die Regierung in Kiew auf, Homosexuelle besser zu schützen. Dazu sei auch eine Änderung des ukrainischen Strafrechts erforderlich: Bisher würden Straftaten, die aus rassistischen, nationalistischen oder religiösen Motiven begangen werden, besonders streng geahndet – nicht aber Straftaten, die sich gegen Homosexuelle richten. Hassreden gegen Schwule und Lesben stünden in der Ukraine nicht einmal unter Strafe.