Die renommierte Harvard University hat die Verleihung eines Titels an die verurteilte Whistleblowerin Chelsea Manning rückgängig gemacht, nachdem CIA-Direktor Mike Pompeo einen Auftritt an der Universität abgesagt hatte. Pompeo hatte mitgeteilt, dass er nicht kommen werde, wenn die Hochschule eine "amerikanische Verräterin" beschäftige. Er stimme Vertretern des Militärs und Geheimdienstes zu, dass die Weitergabe von geheimen Informationen durch Manning das Leben von CIA-Mitarbeitern gefährdet habe.

Manning hatte der Internetplattform WikiLeaks geheime Dokumente über die US-Kriegsführung im Irak zugespielt. Dafür wurde sie im Mai 2010 verhaftet und drei Jahre später zu 35 Jahren Haft verurteilt. US-Präsident Barack Obama verkürzte Mannings Strafe kurz vor dem Ende seiner Amtszeit im Januar deutlich. Manning kam im Mai aus einem Militärgefängnis frei

In mehreren Interviews mit US-Medien hat Manning seitdem ihre Motivation für die Weitergabe der Dokumente erklärt. Für Pompeo sind diese Interviews ein Beweis dafür, dass die Whistleblowerin ihre "kriminellen Taten" bis heute verteidige.

Manning darf die Universität weiter besuchen

Der Dekan der Harvard Kennedy School, Douglas Elmendorf, teilte mit, es sei ein Fehler gewesen, Manning zu einer Gastdozentin zu ernennen, obwohl der Titel keine besondere Ehre mit sich bringe. Elmendorf bat um Verzeihung dafür, dass er nicht alle Folgen der Einladung an Manning bedacht habe. Manning sei weiter eingeladen, einen Tag an der John F. Kennedy School of Government zu verbringen und mit Studenten zu sprechen. Das bedeute aber keineswegs, dass die Universität ihren Worten oder Taten beipflichte.

Die 29-jährige Manning schrieb auf Twitter, sie fühle sich geehrt, als erste Transsexuelle nach Harvard eingeladen worden zu sein. "An den Rand gedrängte Stimmen" würden "unter dem Druck der CIA" abgeschreckt.