Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zum 500. Reformationsjubiläum einen entschiedenen Einsatz für Religionsfreiheit in Deutschland und weltweit gefordert. Der Staat sei verpflichtet, die Würde des Menschen zu achten und diese zu schützen, sagte die CDU-Vorsitzende bei einem Festakt in Wittenberg. Dazu gehöre in besonderer Weise der Schutz der Religionsfreiheit.

Laut Merkel sei der Staat zwar zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität verpflichtet. Deshalb dürfe sich die Politik jedoch nicht von der Aufgabe freimachen, "ein gemeinsames Wertefundament zu beschützen und zu bewahren, das unerlässlich für ein gedeihliches und friedliches Miteinander ist". Überall dort, wo die Religionsfreiheit eingeschränkt sei, werde auch der gesellschaftlichen Entwicklung geschadet. Daher stellte Merkel den Einsatz für religiöse Freiheit als gemeinsame Aufgabe von Staat und Kirchen hervor.

Die Bundeskanzlerin setzte sich zudem für ein lebendiges religiöses Leben in Deutschland ein. Dies umfasse unter anderem eine ungestörte Religionsausübung für alle Gläubigen und jede Religionsgemeinschaft. Merkel rief daher zu Toleranz auf. "Wer die Vielfalt bejaht, muss Toleranz üben. Das ist die historische Erfahrung unseres Kontinents", sagte sie. Toleranz sei die Seele Europas und das Grundprinzip jeder offenen Gesellschaft.

Merkel erinnerte zudem an die gesellschaftliche Bedeutung der Reformation. Aus der religiösen Erneuerungsbewegung habe sich ein Verständnis vom Menschen entwickelt, das die Neuzeit entscheidend prägte und auf dem im Grunde jede demokratische Ordnung aufbaue.

An der Feier zum Ende des Reformationsgedenkjahres nahmen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und weitere Vertreter der obersten Staatsorgane sowie Staatsgäste teil.