Atomkraftgegner haben versucht, einen weiteren Castortransport auf dem Neckar in Baden-Württemberg zu blockieren. Vier Aktivisten stiegen in Neoprenanzügen in den Fluss, fünf weitere ketteten sich an eine Brücke. Es ist bereits die dritte Fahrt des sogenannten Schubverbands. Die erste war von Aktivisten eine Stunde lang blockiert worden, die sich von einer Brücke abgeseilt hatten.

Die Polizei begleitete den Transport unter anderem mit Booten, einem Hubschrauber sowie Einsatzkräften am Ufer und zog die Schwimmer aus dem Wasser. Wie die Polizei mitteilte, bestand durch den Protest keine Gefahr für den Transport. Das Schiff konnte wie geplant passieren. Es bringt ausgediente Brennelemente aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Obrigheim etwa fünfzig Kilometer weit in das Zwischenlager Neckarwestheim.

Der verantwortliche Energieversorger EnBW plant zwei weitere Transporte. Die Termine teilt das Unternehmen mit Verweis auf Sicherheitsbestimmungen nicht vorab mit. Insgesamt sollen 342 ausgediente Brennelemente nach Neckarwestheim gebracht werden. EnBW umgeht so den Bau eines Zwischenlagers in Obrigheim.

Laut den Aktivisten ist der Transport per Schiff höchst riskant: "Proteste sind dringend nötig, um darauf aufmerksam zu machen, wie konzept- und verantwortungslos Konzerne und Politik mit dem lebensgefährlichen Müll umgehen", sagte Julian Smaluhn von der Umweltschutzorganosation Robin Wood, die an den Aktionen beteiligt ist. "EnBW lässt die Bevölkerung die Atommüll-Probleme ausbaden." Die Gemeinde Neckarwestheim hatte versucht, die Beförderung juristisch zu stoppen, war jedoch zuletzt vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gescheitert.