Der Geiselnehmer von Gladbeck, Dieter Degowski, wird nach fast 30 Jahren Haft entlassen. Dies entschied das Landgericht Arnsberg. Demnach kommt Degowski in den nächsten Monaten frei und soll einen neuen Namen bekommen, was ihm die Wiedereingliederung erleichtern soll.

Degowski hatte bei der Geiselnahme von Gladbeck im August 1988 mit seinem weiter inhaftierten Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank in der Ruhrgebietsstadt Gladbeck überfallen und mehrere Geiseln genommen. Im Verlauf ihrer dreitägigen Flucht erschossen die Täter zwei Geiseln, ein Polizist kam während des Einsatzes durch einen Verkehrsunfall ums Leben.

Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Wegen des Verbrechens wurden Degowski und Rösner 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt. Später stellten Gerichte bei beiden Tätern eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Dabei wurde für den in Werl inhaftierten Degowski eine Mindesthaftdauer von 24 Jahren festgelegt, die er längst verbüßte.

2013 hatte das Landgericht die JVA aufgefordert, ihn schrittweise auf die Entlassung vorzubereiten. Zur Vorbereitung der Entscheidung für eine Freilassung Degowskis holte die Arnsberger Kammer unter anderem das Gutachten eines renommierten Sachverständigen ein. Zudem wurde Degowski persönlich angehört.

"Die Kammer hat sich im Ergebnis den positiven Prognosen des Sachverständigen und der zuständigen Justizvollzugsanstalt Werl angeschlossen", erklärte ein Gerichtssprecher. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.