Der Provinz Kasai in der Demokratischen Republik Kongo droht laut den Vereinten Nationen (UN) eine humanitäre Katastrophe. Die Menschen brauchen demnach dringend Hilfe, sie seien kaum in der Lage sich selbst zu ernähren. Etwa 250.000 Kinder könnten in den nächsten Monaten hungern, sollten sie nicht schnell nährstoffreiche Lebensmittel bekommen, sagte der Geschäftsführer des Welternährungsprogramms der UN, David Beasley.

"Die Kasai-Krise wurde völlig vernachlässigt", sagte der Leiter der Projektabteilung von Ärzte ohne Grenzen, Gabriel Sánchez. Viele Kinder seien schwer mangelernährt. In den Regionen, die von der Gewalt am stärksten betroffen sind, sei die Mangelernährung für fast jedes zehnte Kind lebensbedrohlich. Allein zwischen Juni und September waren laut Ärzte ohne Grenzen knapp 1.000 Kinder in den Ernährungszentren in der Hauptstadt der Region Kasai, Tshikapa, in Behandlung.

Seit August 2016 kommt es in Kasai zu Kämpfen zwischen Rebellen und Sicherheitskräften. Sowohl die Rebellen als auch das Militär sollen schwere Verbrechen begehen. Die Rebellen wollen nach eigener Aussage "ungerechte politische Herrschaft" in der Provinz bekämpfen. Die Polizei hatte zuvor ihren Anführer, Kamwina Nsapu, getötet. Vergangene Woche begann sich die Situation laut UN leicht zu stabilisieren, mehr als 700.000 Menschen kehrten zurück. Allerdings sei die Lage bei Weitem nicht stabil.  

Hälfte der Gesundheitszentren ist zerstört

Laut Ärzte ohne Grenzen hatten sich viele Menschen während der Kämpfe monatelang in Wäldern versteckt, waren dort Krankheiten ausgesetzt und hatten nur wenig zu essen. Zahlreiche Dörfer und damit auch die Lebensgrundlagen vieler Menschen seien zerstört. In den größeren Städten gebe es außerdem viele Vertriebene, die nicht in ihre Dörfer zurückkehren können. Sie bräuchten medizinische Versorgung, Nahrungsmittel und psychologische Unterstützung.

Viele Gesundheitszentren seien jedoch kaum noch funktionsfähig: "Die Hälfte der Gesundheitszentren, die wir in den vergangenen drei Monaten aufgesucht haben, sind geplündert, verbrannt oder zerstört worden", sagte Sánchez. "Sie nehmen langsam ihre Arbeit wieder auf, aber es mangelt an Personal, Medikamenten und wichtigen Geräten."  

Laut der UN ist es schwierig, humanitäre Hilfe zu leisten. Die Anzahl der Kämpfe sei zwar leicht zurückgegangen, jedoch gebe es noch immer Gewalt. Verschiedene bewaffnete Gruppen seien dort aktiv. Wegen der Regenzeit zwischen September und Dezember seien außerdem viele Straßen nicht befahrbar. 

Im Kongo gibt es zahlreiche Konflikte, zuletzt hatte sich die Lage insgesamt deutlich verschlechtert. Seit 2015 hat sich die Zahl der Binnenflüchtlinge laut der UN-Flüchtlingshilfe UNHCR auf 3,9 Millionen Menschen verdoppelt. Zudem seien rund 620.000 Kongolesen in Nachbarländer geflohen.