Die griechische Polizei hat fünf Monate nach einem Attentat auf den früheren Ministerpräsidenten Loukas Papadimos einen Verdächtigen festgenommen. Gegen den 29-jährigen Mann wird auch im Zusammenhang mit Paketbomben ermittelt, die im März an das deutsche Finanzministerium und die Pariser Niederlassung des Internationalen Währungsfonds (IWF) geschickt worden sind. Die Antiterroreinheit der Polizei sucht zudem nach anderen Verdächtigen.

Der 29-jährige Mann sei auf Videos erkannt worden, wie er bei fünf verschiedenen Gelegenheiten Pakete zur Post gebracht habe, teilte die Polizei mit. Er sei mehrere Tage lang observiert worden. Er weist nach Angaben der Polizei die Vorwürfe zurück und bestreitet auch, Mitglied der Gruppe Verschwörung der Feuerzellen zu sein, die sich zur Absendung der Pakete bekannt hatte. Der Verdächtige sei der Polizei wegen militanter Aktivitäten bekannt gewesen.

Der 70-jährige Papademos erlitt am 25. Mai 2017 schwere Verletzungen, als er in seinem Auto eine Briefbombe öffnete, und musste einen Monat im Krankenhaus behandelt werden. Die Paketbombe an Schäuble war in der Poststelle seines Ministeriums rechtzeitig entdeckt worden, bevor sie Schaden anrichtete. Dagegen explodierte der an den IWF in Paris adressierte Brief und verletzte eine Mitarbeiterin. Acht weitere Pakete wurden von der Polizei in Sortierzentren der Post in Athen abgefangen.

Papademos war von November 2011 bis Mai 2012 Ministerpräsident in Griechenland und von 2002 bis 2010 Vizepräsident der Europäischen Zentralbank. Der Wirtschaftswissenschaftler stand auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise für mehrere Monate an der Spitze einer Übergangsregierung. Seine Gegner machten Papademos für eine strikte Sparpolitik mit harten Einschnitten im Sozialbereich verantwortlich.