Wegen tödlicher Schüsse auf einen Polizisten ist ein sogenannter Reichsbürger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth wertete die Tat des 50-Jährigen im mittelfränkischen Georgensgmünd als Mord und zweifachen versuchten Mord. Die Verteidiger hatten auf fahrlässige Tötung plädiert, was eine deutlich mildere Strafe bedeutet hätte.

Wolfgang P. hatte bei einem Polizeieinsatz Mitte Oktober 2016 auf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos geschossen. Dabei starb ein Polizist, zwei weitere wurden verletzt. Die Spezialeinheit sollte helfen, die rund 30 Waffen im Haus von P. zu beschlagnahmen. Denn bei den Behörden galt der Jäger als nicht mehr zuverlässig.

Der Angeklagte betrat den Gerichtssaal mit einem Lächeln. Das Urteil nahm er regungslos zur Kenntnis.

Der Fall hat eine Debatte ausgelöst über die Bewegung der Reichsbürger. Anhänger dieser Bewegung lehnen die Bundesrepublik, deren Organe und Behörden ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide. P. selbst hatte Anfang 2016 im Einwohnermeldeamt seinen Personalausweis abgegeben. Galten sie lange als eher harmlose Querköpfe, änderte spätestens die Tat von Georgensgmünd diese Wahrnehmung.

Auch der Verfassungsschutz beobachtet die Szene inzwischen intensiv. BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen sagte vor zwei Wochen im Tagesspiegel, die Verfassungsschützer würden diese Szene "immer stärker in den Blick nehmen". Deren Gefährlichkeit werde vor allem sichtbar, "wenn Reichsbürger glauben, sich mit Waffengewalt gegen legitime Einsätze von Polizei und Justiz stellen zu müssen". Insgesamt gehen die Behörden davon aus, dass in Deutschland etwa 15.000 Menschen zur "Reichsbürgerszene" zählen.

Staatsanwalt Matthias Held hatte P. in seinem Plädoyer vorgeworfen, einen Angriff auf Polizisten über längere Zeit geplant zu haben. Aus dem Hinterhalt habe er an jenem Morgen elfmal auf die Beamten geschossen – mit dem Ziel, möglichst viele von ihnen zu verletzen und zu töten. Dem widersprach Anwältin Susanne Koller und kritisierte den Einsatz als "dilettantisch" und unnötig.