Zwei Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben in der afghanischen Hauptstadt Kabul den großen TV-Sender Schamschad angegriffen und einen Wachmann getötet. Das sagte am frühen Dienstagabend Ortszeit ein Sprecher des Innenministeriums.

Er korrigierte damit eine frühere Aussage, wonach zwei Menschen umgekommen seien. 20 Menschen seien zudem bei der Attacke verletzt worden. Augenzeugen berichteten von Menschen, die sich teils blutverschmiert über die Außenmauern des Geländes retten konnten. Auch die beiden Angreifer seien von Sicherheitskräften ausgeschaltet worden, sagte der Sprecher. Der IS reklamierte den Angriff über eine nahestehende Nachrichtenagentur für sich.

"Sie begannen, Granaten abzufeuern und zu schießen", sagte der Kameramann Nusrat Dewguli. Er habe mit vielen Kollegen aus dem Gebäude entkommen können. Der Angriff schien zunächst noch anzudauern, auch nach der Flucht der Mitarbeiter seien noch Schüsse zu hören gewesen. Ein Augenzeuge aus der Nachbarschaft, Mudschib Hanan, berichtete von drei Explosionen. Sicherheitskräfte seien angerückt, um die Bewaffneten zu stoppen.

Knapp drei Stunden nach Beginn des Angriffs nahm der TV-Sender wieder sein Programm auf und berichtete über den Angriff auf seine Büros. Der Chef der Kabuler Kriminalpolizei, Mohammed Salim Almas, sagte allerdings, dass das Gebäude weiterhin durchsucht werde. "Wir wissen nicht, ob sich nicht noch Aufständische in den oberen Stockwerken verstecken."

Die Nato hat indes Planungen für eine deutliche Verstärkung ihres Afghanistan-Einsatzes bestätigt. Nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg soll die Zahl der Soldaten zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im kommenden Jahr von etwa 13.000 auf rund 16.000 steigen. Etwa die Hälfte der zusätzlichen Kräfte werde von den USA gestellt werden, sagte Stoltenberg.

Hintergrund der geplanten Truppenaufstockung ist das Wiedererstarken der radikalislamischen Taliban in Afghanistan und die Expansion des IS in das Land. Der Angriff vom Dienstag war bereits der 18. schwere Anschlag in Kabul in diesem Jahr. Viele davon wurden durch Terroristen des IS verübt – darunter eine mehrstündige Schießerei in einem Militärkrankenhaus, bei der mindestens 49 Menschen starben. Erst am Mitte Oktober hatte sich ein Selbstmordattentäter des IS in einer schiitischen Moschee in West-Kabul in die Luft gesprengt und 71 Menschen getötet.