Der unter Missbrauchsvorwürfen stehende Filmproduzent Harvey Weinstein soll Privatermittler beauftragt haben, Informationen über die Frauen zu sammeln, die dem Filmproduzenten sexuelle Belästigung und Missbrauch vorwerfen. Das berichtet die Wochenzeitung The New Yorker. Auch Journalisten, die über Weinstein berichtet hatten, sollten demnach ausspioniert werden. The New Yorker beruft sich mit seinen Vorwürfen auf Aussagen von sieben Beteiligten. Weinsteins Sprecherin dementierte den Vorwurf jedoch: Es sei "eine Fiktion, es so hinzustellen, als seien irgendwelche Personen zu irgendeiner Zeit ins Visier genommen oder unterdrückt worden".

Weinstein soll bereits im Herbst 2016 die privaten Sicherheitsfirmen Kroll und Black Cube engagiert haben, also noch vor der Veröffentlichung der Vorwürfe. Einen Vertrag zwischen Weinsteins damaligem Anwalt David Boies und den Sicherheitsfirmen hat The New Yorker auf seiner Webseite veröffentlicht. Die Firma Black Cube bietet demnach die Dienste "ausgewählter Veteranen von Eliteeinheiten israelischer Geheimdienste, Rechts- und Finanzexperten" an. Sie sollte genügend Material sammeln, um "einen negativen Artikel in einer führenden New Yorker Zeitung" zu stoppen. Die Sicherheitsfirma wollte sich nicht zu Details in dem Bericht äußern.

Zwei Mitarbeiter von Black Cube hätten unter falschem Namen die Schauspielerin Rose McGowan kontaktiert. Sie sollten unter anderem ein Manuskript von McGowans Memoiren in ihren Besitz bringen, berichtet The New Yorker. Eine der beiden Ermittlerinnen habe sich dabei als Anwältin für Frauenrechte ausgegeben. McGowan sei angesprungen und habe sich mindestens viermal mit der Frau getroffen. Dabei wurde sie heimlich mitgeschnitten. McGowan wirft Weinstein vor, sie vergewaltigt zu haben.

Aufgedeckt hat die Vorwürfe der Journalist Ronan Farrow, der auch den ersten entscheidenden Artikel über die Missbrauchsvorwürfe gegen Weinstein recherchiert hatte. Er und andere Journalisten waren ebenfalls von den Sicherheitsfirmen kontaktiert worden. Ein Journalist wurde allerdings angesichts der "Seifenopern-Schauspielerei" der Agenten misstrauisch, wie es hieß. 

Laut Bericht engagierte Weinstein auch noch weitere Firmen, um psychologische Profile über die "persönliche und sexuelle Vergangenheit" der Schauspielerinnen und Journalisten zu erstellen – und diese bei Bedarf einschüchtern zu können. Zusätzlich hätte Weinstein ehemalige Angestellte, Journalisten und Anwälte eingespannt.

Vor vier Wochen hatten erstmals Frauen Anschuldigungen der sexuellen Belästigung gegen den 65-Jährigen erhoben. Darunter auch prominente Schauspielerinnen wie Gwyneth Paltrow und Angelina Jolie. Manche Vorwürfe sind sehr alt – 30 bis 40 Jahre –, andere stammen aus jüngerer Vergangenheit. Seither ist die Zahl der mutmaßlich betroffenen Frauen gestiegen, manche sprechen von sexueller Belästigung, andere von Vergewaltigung. Mittlerweile ermitteln die Polizeiinspektionen von New York, Los Angeles und London gegen Weinstein. Die Gremien, die den Emmy und den Oscar vergeben, haben Weinstein kürzlich aus ihren Reihen ausgeschlossen.