Die pakistanische Regierung will die Armee gegen islamistische Aktivisten einsetzen. Soldaten sollten den zivilen Institutionen dabei helfen, Sicherheit und Ordnung wiederherzustellen, teilte das Innenministerium mit. In der Hauptstadt Islamabad war es zuvor zu Ausschreitungen gekommen, als die Polizei ein Protestlager der Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah räumen wollte.

Dabei soll es mindestens fünf Tote gegeben haben, mehr als 130 wurden verletzt. Die mindestens 1.500 Teilnehmer des Protestcamps halten seit 20 Tagen eine wichtige Straßenkreuzung in der Hauptstadt besetzt. Sie fordern die Amtsenthebung des Justizministers Zahid Hamid, dem sie Gotteslästerung vorwerfen.

Laut des Staatsfernsehens teilte das Innenministerium mit, dass Armeesoldaten angewiesen worden seien, der Polizei bei der Räumung der Kreuzung zu helfen. Es war jedoch unklar, wann der Einsatz beginnen werde. Zunächst war die Armee laut der Nachrichtenagentur AP in dem Gebiet noch nicht zu sehen.

Viele verletzte Polizisten

Die Behörden hatten lange gezögert, gegen den Sitzstreik vorzugehen. Zur Begründung hieß es, es sei eine Destabilisierung des Landes und schwere Gewalt zu befürchten, da die Islamisten angekündigt hatten, für ihre Sache zu sterben. Auch Armeechef Qamar Javed Bajwa hatte am Samstag vor der Anforderung der Armee durch die Regierung in einem Telefonat mit dem pakistanischen Regierungschef Shahid Khaqan Abbasi darauf gedrungen, "friedlich" mit der Situation umzugehen. Gewalt sei "nicht im nationalen Interesse", sagte er nach Angaben eines Armeesprechers.

Angesichts des anhaltenden Verkehrschaos wuchs aber der Druck auf die Behörden, nicht länger untätig zu bleiben. Ein Gericht ordnete an, die Kundgebung aufzulösen und hatte dafür eine Frist gesetzt, die in der Nacht zu Samstag ablief. Die Demonstranten räumten das Lager jedoch nicht. Tausende Polizisten und paramilitärische Kräfte gingen daraufhin mit Wasserwerfern, Tränengas und Gummigeschossen gegen sie vor.

Wie AFP-Reporter berichteten, bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen. Polizisten und Paramilitärs wurden beobachtet, wie sie ihrerseits Steine auf Demonstranten warfen. Die Demonstranten fällten Bäume, um die Straßen zu blockieren, und setzten Polizeifahrzeuge und Autoreifen in Brand. Nach Aufrufen in den sozialen Netzwerken trafen Dutzende weitere Demonstranten ein.

Die pakistanische Medienaufsicht untersagte örtlichen Fernsehsendern angesichts der Gewalt die Live-Berichterstattung. Die Kommunikation über den Kurzbotschaftendienst Twitter war offenbar beeinträchtigt.

Unter den Verletzten sollen auch viele Polizisten sein. Ein ranghoher Polizeichef wies aber Berichte zurück, wonach ein Polizist bei den Zusammenstößen gestorben sein soll.

Die Islamisten werfen dem Minister Hamid vor, einen Eid geändert zu haben, den Kandidaten für Wahlen leisten müssen. Nach Angaben der Islamisten sei es ein Schritt dahin, der Minderheit der Ahmadis die Wahlbeteiligung zu ermöglichen. Ahmadis sind eine islamische Sondergemeinschaft, die in Pakistan nicht als Muslime anerkannt werden. Der Minister selbst sprach von einem Irrtum, der korrigiert worden sei.

Die Bewegung Tehreek Labaik Ya Rasool Allah, die auch einen parteipolitischen Arm hat, wurde im Sommer 2015 gegründet. Sie setzt sich dafür ein, in Pakistan in einem legalen, schrittweisen Prozess eine Scharia-Gesetzgebung einzuführen.