Die international anerkannte libysche Regierung will einem CNN-Bericht über Sklavenhandel mit afrikanischen Migranten im Land nachgehen. Der Vizeregierungschef Ahmed Metig kündigte die Einrichtung einer Untersuchungskommission an. Sie soll ermitteln, ob in Libyen tatsächlich, wie in einem von CNN ausgestrahlten Video zu sehen ist, Migranten aus anderen afrikanischen Staaten auf Sklavenmärkten öffentlich versteigert werden. "Wenn die Vorwürfe zutreffen, werden die Verantwortlichen bestraft", teilte das Außenministerium mit.

Die grobkörnigen Handy-Aufnahmen des Videos zeigen laut CNN einen jungen Nigerianer, der als Teil einer Gruppe "großer, starker Jungen für Feldarbeit" zum Kauf angepriesen werde. Eine Stimme aus dem Off, bei der es sich laut CNN um die des Auktionators handeln soll, sagt: "800… 900… 1.000… 1.100", bevor zwei Männer für umgerechnet 875 US-Dollar verkauft werden.

Der Vorsitzende der Afrikanischen Union, Guineas Präsident Alpha Condé, forderte Aufklärung und Strafverfolgung angesichts des "verabscheuungswürdigen Handels", der an ein anderes Zeitalter erinnere.

Libyen ist Transitland für Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern, vor allem aus Guinea, Senegal, Mali, Niger, Nigeria und Gambia. Viele Migranten nehmen den Weg durch die Wüste auf sich, da sie hoffen, von Schleusern über die Mittelmeerroute nach Italien gebracht zu werden. Es wird vermutet, dass auch in der Sahara sehr viele Flüchtlinge sterben. Wer es schafft, strandet dennoch meist für eine Weile in Libyen und wird dort in Haftzentren untergebracht, die Diplomaten des Auswärtigen Amts als "KZ-ähnlich" bezeichneten.

Kritik an "unmenschlicher" EU-Politik

Eine Mitschuld an der schwierigen humanitären Situation in Libyen trägt nach Ansicht des UN-Hochkommissars für Menschenrechte die Europäische Union. Die Libyen-Politik der EU sei unmenschlich, sagte Said Raad al-Hussein in der vergangenen Woche: Die Unterstützung für die libysche Küstenwache führe dazu, dass noch mehr Menschen unter entsetzlichen Bedingungen in libyschen Haftzentren eingepfercht würden. Nach libyschen Angaben befinden sich in diesen Lagern etwa 20.000 Menschen. Im September waren es erst 7.000 gewesen.

Die EU will ungeachtet der Kritik des UN-Hochkommissars ihr Ausbildungsprogramm für libysche Küstenwächter fortsetzen. "Wir trainieren sie, damit sie in den Küstengewässern gegen Schleuser vorgehen und Menschen aus Seenot retten können", sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Das Trainingsprogramm, mit dem bereits 142 libysche Küstenschutzkräfte ausgebildet worden seien, werde weitergehen.