Bei einem Schiffbruch vor der libyschen Küste sind mindestens 31 Personen gestorben. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf libysche Beamte. Mehr als 200 Personen wurden demnach gerettet.

Der Unfall ereignete sich unweit von Garabulli, einer libyschen Stadt östlich von Tripolis. Die Flüchtlinge wollten von dort aus das Mittelmeer auf zwei Booten überqueren. An der Unglückstelle hätten mehrere Leichen im Wasser getrieben, sagte ein Sprecher der libyschen Marine. Schätzungsweise seien 500 Menschen an Bord gewesen. Es werde damit gerechnet, dass die Zahl der Toten und Vermissten noch steigen könnte. Die Leichen der Flüchtlinge sollen in die Hauptstadt Tripolis gebracht werden.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, sind bereits in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag etwa 20 Migranten ertrunken. Sie seien von einem überfüllten Schlauchboot ins Wasser gefallen, berichteten demnach Migranten, die mit dem Boot am Samstag auf Sizilien angekommen waren. 

Die Seenotrettungsorganisation SOS Mediterranee teilte am Samstag mit, sie habe mit ihrem Schiff Aquarius in internationalem Gewässer vor Libyen ein Holzboot mit mehr als 400 Menschen erreicht. Von Ertrunkenen war nicht die Rede. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, die ebenfalls auf dem Schiff Aquarius anwesend ist, warnte vor einem "Herbst der Schiffbrüche".

Die "mit Abstand tödlichste Grenze"

In einem neuen Bericht bezeichnete die Internationale Organisation für Migration das Mittelmeer als die "mit Abstand tödlichste Grenze" weltweit. In diesem Jahr sind bereits etwa 3.000 Migranten bei dem Versuch umgekommen, das Mittelmeer auf seeuntauglichen Booten nach Europa zu überqueren. Nach den neuesten Schiffbrüchen dürfte die Zahl noch höher liegen.

Laut der italienischen Küstenwache und Hilfsorganisationen konnten seit Mittwoch mehr als 1.100 Menschen gerettet werden. "Die Menschen, die mit der jüngsten Welle angekommen sind, befinden sich in einem sehr schlechtem Zustand", sagte ein UNHCR-Sprecher. Viele Migranten, die sich monatelang bis zu eineinhalb Jahre in libyschen Haftzentren befunden hätten, seien dehydriert und wiesen Spuren von Folter und Gewalt auf.

Die UN hatten erst kürzlich ein dramatisches Bild von den Zuständen in libyschen Haftzentren gezeichnet. Sie kritisieren, dass die EU die libysche Küstenwache dabei unterstütze, Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer abzufangen. Nach libyschen Angaben befinden sich in den Lagern derzeit 19.900 Menschen. Im September waren es noch 7.000 gewesen.    

Hilfsorganisationen beklagen sich außerdem darüber, dass sie bei der Suche nach Schiffbrüchigen im Mittelmeer behindert werden. Die libysche Regierung hatte im August eine "Such- und Rettungszone" vor der Küste des Landes eingerichtet, die weit in internationale Gewässer reicht. Die Maßnahme richtet sich vor allem gegen Schiffe von Nichtregierungsorganisationen, die im Mittelmeer Geflüchtete retten.