Papst Franziskus hat bei seinem Besuch in Myanmar zum Respekt von Menschenrechten aufgerufen. Während eines Treffens mit der Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi forderte er die "Achtung jeder Volksgruppe". Auf die Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit ging er aber nicht direkt ein.

"Der mühevolle Prozess des Friedensaufbaus und der nationalen Versöhnung" könne nur durch den Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte vorankommen, sagte Franziskus bei einer Rede in der Hauptstadt Naypyidaw. Laut dem Oberhaupt der katholischen Kirche sei Myanmar dazu verpflichtet, diese Grundprinzipien zu wahren.

Die katholische Gemeinde in Myanmar hatte den Papst zuvor dazu aufgefordert, den Begriff "Rohingya" nicht zu verwenden. Man wolle einen Konflikt mit der Regierung des mehrheitlich buddhistischen Landes vermeiden, hieß es von Vertretern. Ein direkter Bezug auf die Vertreibung der Rohingya könnte die Spannungen verschärfen, sagte der Kardinal der Stadt Rangun, Charles Maung Bo.

Vor dem Besuch war unklar, wie sich Franziskus äußern würde. Es sei kein verbotenes Wort, sagte Papst-Sprecher Greg Burke. Der Papst ist dafür bekannt, sich deutlich zu äußern. Als erste internationale Autorität hatte Franziskus bereits im Februar die Gewalt gegen die muslimische Minderheit der Rohingya verurteilt.

Der Rohingya Kyaw Naing, der in einem geschlossenen Lager in Rakhine untergebracht ist, sagte, seine Leute hätten große Hoffnungen auf den Papstbesuch gesetzt. "Aber wenn der Papst nicht den Namen 'Rohingya' aussprechen darf, fragen wir uns, wie schlecht die Menschenrechtslage in Myanmar ist."

Hunderttausende Rohingya sind aus Angst vor brutaler Verfolgung durch das Militär aus dem Bundesstaat Rakhine nach Bangladesch geflüchtet, allein in den vergangenen drei Monaten waren es mehr als 620.000.

Die Rohingya werden in Myanmar seit Jahrzehnten diskriminiert und verfolgt. Obwohl sie dort schon lange Zeit leben, wird ihnen unter anderem die Staatsbürgerschaft verweigert. Der Konflikt zwischen der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung und der muslimischen Minderheit war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und mehrere Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Die Vereinten Nationen stuften das Vorgehen der Armee gegen die Rohingya als ethnische Säuberungen ein.