Vor 40 Jahren ist Hanns Martin Schleyer ermordet worden. Nun hat die frühere RAF-Terroristin Silke Maier-Witt die Angehörigen um Verzeihung gebeten. Wie die Bild-Zeitung berichtet, traf Maier-Witt vergangene Woche Jörg Schleyer, den jüngsten Sohn des einstigen Arbeitgeberpräsidenten, in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, wo sie seit mehreren Jahren lebt. "Es klingt so platt. Aber ich möchte erst einmal um Verzeihung bitten. Es hilft nicht viel, aber ich denke, dass ich immer ausgewichen bin, mich dem zu stellen", sagte sie ihm nach Angaben der Zeitung. Schon längst hätte sie einen Schritt auf die Schleyer-Familie zugehen sollen. Doch sie sei feige gewesen, das nehme sie sich selbst übel.

Nach dem mehr als siebenstündigen Gespräch mit Maier-Witt sagte Schleyer der Zeitung: "Erstmalig habe ich aus dem Mund einer wegen des Mordes verurteilten Terroristin erfahren, wer die drei Personen sind, die bei meinem Vater waren, als die tödlichen Schüsse abgegeben wurden." Maier-Witts Bereitschaft, Auskunft über die Hintergründe der Tat zu geben, habe glaubhaft gewirkt, sagte Schleyer. "Jetzt hoffe ich, dass ihrem Beispiel weitere Täter folgen und ihr Wissen offenbaren."

Schleyers Hinterbliebene suchen seit Jahrzehnten eine Antwort auf die Frage, welches RAF-Mitglied die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Das ist bis heute ungeklärt, weil die Beteiligten dazu schweigen. Zum 40. Jahrestag der Ermordung Schleyers hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Söhne Schleyers und weitere Hinterbliebene des RAF-Terrors ins Schloss Bellevue eingeladen. Dabei hatte er an die Täter appelliert, ihr Schweigen zu brechen und die Einzelheiten der Taten offenzulegen.

Die Ermordung des von der RAF entführten Schleyer stand am Ende einer Serie von Ereignissen, die als Deutscher Herbst in die Geschichte eingingen. Noch während der Entführung entführte ein mit der RAF verbündetes palästinensisches Terrorkommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Ziel war die Freipressung von in Deutschland inhaftierten RAF-Terroristen.

Nach einem mehrtägigen Irrflug des Flugzeugs stürmte die GSG 9 die Maschine am frühen Morgen des 18. Oktober 1977 auf dem Flughafen im somalischen Mogadischu und befreite die Geiseln. Wenige Stunden später begingen drei in Stuttgart-Stammheim inhaftierte Terroristen der sogenannten ersten RAF-Generation Suizid, darunter Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Daraufhin ermordeten Mitglieder der zweiten RAF-Generation den entführten Schleyer. Maier-Witt teilte die Tat damals der dpa in Paris mit. Später wurde sie wegen der Entführung und Ermordung Schleyers zu zehn Jahren Haft verurteilt.