Ein Politiker der Linken aus Sachsen, Michael Richter, zieht aus Angst vor Rechtsextremen nach Bayern. "Jetzt ziehe ich die letzte Konsequenz – indem ich im Dezember Freital verlasse und in Bayern neu anfange", sagte der Freitaler Stadtrat in einem Interview mit Spiegel Online. Er sei schon jetzt nur noch selten in Freital, weil er sich "permanent von Rechten umgeben fühle". Auf die Frage, ob die Angst vor weiteren Angriffen so groß gewesen sei, antwortete Richter: "Absolut."

Im Juli 2015 sollen Rechtsextreme einen Sprengstoffanschlag auf sein Auto verübt haben. Für diese Tat sowie für Angriffe auf das Parteibüro der Linken, ein linkes Wohnprojekt und zwei Asylunterkünfte wird die Gruppe Freital verantwortlich gemacht. Sieben Männer und eine Frau, die zu der Gruppe gehören sollen, stehen deshalb seit März vor einem Dresdner Gericht. Sie verantworten sich dort wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, versuchtem Mord und der Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen. Einer der mutmaßlichen Rädelsführer, Patrick F., hatte bereits im April seine Beteiligung an allen fünf Taten gestanden

Richter sagte Spiegel Online, er habe aus Gerichtsakten erfahren, dass er "mitsamt dem Wagen in die Luft gesprengt werden sollte". Dass die mutmaßlichen Täter in Untersuchungshaft säßen, bedeute ihm nicht viel. "Das ändert nichts am politischen Klima", sagte er. "Für den Oberbürgermeister gibt es nach wie vor kein Problem mit Rechtsextremisten in Freital, ein kleiner Teil der Bevölkerung verharmlost oder befürwortet sogar die Taten der Gruppe Freital. Und deren Unterstützernetzwerk existiert ja weiterhin."