Aber es ist noch eine stille Angst, es ist eine noch leise Panik. Kein Mann hat sie bisher ausgesprochen, kein Mann hat sie bisher in Worte gefasst. Die Angst der Männer vor dem Aufstieg der Frauen ist eines des größten Tabus unserer Gegenwart, sie prägt unsere Zeit, sie markiert unsere Epoche. Denn natürlich ist es ein Verdrängungskampf um die immer knapper werdende Ressource Arbeit und die stets knappe Ressource Macht. Und Sexismus ist eine Waffe der Männer in diesem Kampf.

In der #MeToo-Debatte der vergangenen Wochen haben sich ebenfalls eine Reihe von Männern zu Wort gemeldet. Die üblichen Abwiegelungsversuche sind darunter, die meistens so funktionieren, dass man den Frauen vorwirft, sie würden übertreiben. Aber es sind auch Texte von Männern erschienen, die sich nachdenklich und zweifelnd geben. Das ist neu und so zu erklären, dass die letzte, kleinere und nationale #Aufschrei-Debatte noch nicht so lange her ist und es vor allem die jüngeren Männern sind, die aus den alten Rollenbildern heraustreten wollen. Und das ist auch gut so. 

Diese Männer lieben wir

Dennoch musste ich in den vergangenen Tagen daran denken, wie jene Kollegen mit dem höhnischen Lachen dann, wenn man mit ihnen allein war, wenn man mit ihnen beispielsweise nach der Arbeit gemeinsam zur U-Bahn lief, sie zufällig auf der Straße oder auf einer Party traf, wie diese Kollegen einem in so einem Moment plötzlich freundlich und zugewandt und offen begegneten. Also als das, was sie waren: Männer, die Ehefrauen hatten, Männer, die Freundschaften zu Frauen pflegten. Denn auch das gehört zur traurigen Wahrheit: Mit jenen Männern, die Frauen im Büro bekämpfen, leben wir zusammen, gründen wir Familien. Diese Männer lieben wir.

Außerhalb des Büros machen diese Männer keine anzüglichen Witze, sie kommentieren nicht ständig unser Aussehen, unsere Schuhe, unsere Haare, die Art, wie wir denken und sprechen. Kein einziges Mal ist mir jener Sexismus, den ich im Büro so gut kannte, außerhalb der Arbeit passiert. Wirklich, kein einziges Mal. Die Männer müssen dann offenbar nicht mehr kämpfen. Mir jedoch erscheint das wie ein Beweis, dass Sexismus im Büro den Männern nicht einfach so passiert, sondern dass sie genau wissen, was sie tun, gegen wen sie kämpfen. Und, dass sie Grenzen überschreiten.

Auch deshalb sind die Fragen, wie Frauen damit umgehen sollen, ob sie Sexismus thematisieren oder sich dagegen wehren sollen, obwohl das eine natürlich das andere nicht ausschließt, aber letztlich sind solche Fragen müßig. Sie finden auf einem Nebenschauplatz statt. Die Angst der Männer vor dem Aufstieg der Frauen ist es, worum es geht. Die Männer müssen diese Angst erkennen und letztlich besiegen. Die Frauen können ihnen dabei nicht helfen.