Die Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland hat sich binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Ende 2016 waren 1,6 Millionen Personen registriert, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ende 2014 waren es noch 851.000.

Als Schutzsuchende gelten Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Dazu zählen Personen, die sich im Asylverfahren befinden, anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Konvention, subsidiär Schutzberechtigte sowie abgelehnte Asylbewerber, die sich aber noch hier aufhalten. Die Zahl des Statistischen Bundesamts gibt an, wie viele dieser Personen sich insgesamt in Deutschland aufhalten, nicht wie viele in einem Jahr dazugekommen sind.

Insgesamt leben laut Ausländerzentralregister zehn Millionen Ausländer in Deutschland. Allerdings hat der Beauftragte für das Flüchtlingsmanagement darauf hingewiesen, dass dort höchstwahrscheinlich viele Menschen registiert sind, die längst nicht mehr in Deutschland leben.

Eine halbe Million offene Asylanträge

Von den Schutzsuchenden verfügten den Angaben nach 872.000 Menschen – also 54 Prozent – über einen humanitären Aufenthaltstitel und damit über einen anerkannten Schutzstatus. Überwiegend war diese Anerkennung jedoch nur befristet.

Bei 158.000 Personen wurde der Antrag auf Asyl abgelehnt. Diese seien grundsätzlich ausreisepflichtig. 75 Prozent von ihnen haben aber eine Duldung, ihre Ausreisepflicht ist also vorübergehend ausgesetzt. Außerdem gibt es 573.000 Schutzsuchende, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde. 392.000 Ausländer seien unberücksichtigt, da sich nicht eindeutig bestimmen lasse, ob es sich um Schutzsuchende handele oder nicht, erklärte das Statistikamt.

Etwa die Hälfte aller Schutzsuchenden kam aus drei Herkunftsländern: Syrien (455.000), Afghanistan (191.000) und Irak (156.000). Die meisten Schutzsuchenden mit offenem Schutzstatus kamen aus Afghanistan (129.000). Die Mehrheit der Schutzsuchenden mit befristeter Anerkennung stammte aus Syrien (347.000). Bei der unbefristeten Anerkennung waren die Hauptherkunftsländer Russland und Irak (jeweils rund 31.000 Personen). Die meisten Schutzsuchenden mit abgelehntem Antrag kamen aus Serbien (17.000) und Albanien (15.000).

Von allen Schutzsuchenden waren 64 Prozent Männer. Im Vergleich dazu waren 53 Prozent der ausländischen Bevölkerung und 49 Prozent der Bevölkerung insgesamt männlich. Schutzsuchende waren im Schnitt 29,4 Jahre alt. Das Durchschnittsalter der ausländischen Bevölkerung lag bei 37,6 Jahren, das Durchschnittsalter der Bevölkerung insgesamt (Stand: Juni 2016) bei 44,2 Jahren.

Zahl der Asylklagen verfünffacht

Die Zahl der Klagen gegen Asylbescheide in Deutschland stieg deutlich. Zwischen dem 30. Juni 2016 und demselben Stichtag in diesem Jahr verzeichneten deutsche Gerichte mehr als 320.000 Verfahren, im Vorjahreszeitraum waren es weniger als 69.000. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung und bezieht sich auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. Die Zahl der Klagen hat sich damit beinahe verfünffacht.

Erich Müller-Fritzsche, Mitglied im Vorstand beim Bund Deutscher Verwaltungsrichter, nannte die Zunahme der Asylklagen gegenüber der Zeitung dramatisch. Die Verwaltungsgerichte seien so stark belastet, "dass sich die Arbeit mit dem gegenwärtigen Personal nicht zeitnah bewältigen lässt", sagte Müller-Fritzsche. Zwar habe die Politik angekündigt, personell aufzustocken, er bezweifle jedoch, dass das Maß ausreichen werde.