Ein 29-jähriger Mann hat nach bisherigen Polizeierkenntnissen in New York einen gemieteten Kleinlaster in Fußgänger und Radfahrer gelenkt und so acht Menschen getötet und elf verletzt. Die Behörden bezeichnen ihn offiziell als Terrorist und gehen zurzeit davon aus, dass er allein handelte. 

Medienberichten zufolge heißt der 29-Jährige Sayfullo S. und stammt aus Usbekistan. Der usbekische Staatschef Schawkat Mirsijojew hat den USA Hilfe bei den Ermittlungen zugesagt. Während ein Familienfreund S. als ruhig und hart arbeitend beschrieb, nannte ihn US-Präsident Donald Trump "krank und gestört". Wer er war und vor allem, was ihn zu der Tat trieb, ist überwiegend unbekannt, obwohl die US-Medien mehr und mehr Details aus seinem Leben veröffentlichen.

Der mutmaßliche Attentäter hat in einer Notiz auf die Terrormiliz "Islamischer Staat" verwiesen. Das sagte der Gouverneur des US-Staates, Andrew Cuomo, in der Fernsehsendung CBS This Morning. Einzelheiten nannte er nicht und verwies auf laufende Ermittlungen. Die Ermittler seien in Besitz des Dokumentes. Medienberichten zufolge wurde es im Inneren des Tatwagens gefunden. Es gibt widersprüchliche Berichte, ob die Notiz auf Englisch oder Arabisch verfasst wurde. Cuomo sagte außerdem dem Fernsehsender CNN, der aus Usbekistan stammende Mann sei mit dem IS "verknüpft" gewesen und habe sich innerhalb der Vereinigten Staaten radikalisiert. Ob verknüpft sich nur auf die Notiz bezieht oder ob S. mit IS-Mitglieder kommuniziert hat, ist noch unklar.

Ohio, Florida, New Jersey

Der Usbeke soll 2010 auf legalem Weg in die USA gekommen sein. Nach Angaben von US-Präsident Donald Trump war er über ein Programm zur Green-Card-Verlosung ins Land gekommen. Die Verlosung verschafft jährlich bis zu 50.000 Ausländern aus aller Welt einen dauerhaften Aufenthaltsstatus mit Arbeitserlaubnis in den USA. Dazu müssen Bewerber in ihrem Antrag umfangreiche Angaben machen, die hart überprüft werden, etwa auf kriminellen Hintergrund. Trump kritisierte das Diversity Visa Lottery Program auf Twitter und kündigte an, es abschaffen zu wollen. Stattdessen wolle er ein System, das auf den beruflichen Fähigkeiten der Bewerber basiere.

S. war den Behörden wegen eines kleineren Vergehens bekannt: Gerichtsunterlagen zufolge lag im April 2016 ein Haftbefehl gegen ihn vor, weil er eine Anhörung über eine Ordnungswidrigkeit verpasste. Grund war damals, dass er falsche Bremsen in einem Wagen nutzte. Er bekannte sich schuldig und musste 200 Dollar für Strafgebühren und Gerichtskosten zahlen.

Nach seiner Ankunft in den USA soll er zunächst im US-Staat Ohio gelebt haben. Dort hat er offiziellen Unterlagen zufolge eine Firma registriert, berichtet der Cincinnati Enquirer. "Er ist immer arbeiten gegangen", sagte eine Bekannte des Tatverdächtigen der Zeitung. "Er ist nie auf Partys oder so etwas gegangen. Er ist nur nach Hause gekommen, hat sich ausgeruht und ist dann wieder zur Arbeit gegangen." Ähnliches berichteten weitere Bekannte der New York Times.

S. hat als Berufskraftfahrer gearbeitet, eine Website für die Lkw-Industrie listet den Tatverdächtigen in Paterson, New Jersey, auf. Der Sender CNN berichtete, Sayfullo S. sei verheiratet und habe im Trauschein als Beruf "Lkw-Fahrer" angegeben. Auch die Nachrichtenseite NorthJersey.com berichtet, dass er verheiratet sei und Kinder habe.

Offiziellen Angaben zufolge lebte er zuletzt in New Jersey, nach Angaben von NorthJersey.com erst seit einigen Monaten. Der Wohnort wurde Dienstagnacht durchsucht. Nach Angaben der Polizei hatte der 29-Jährige hier bei einer Baumarktkette den Kleinlaster am frühen Nachmittag (Ortszeit) gemietet und war damit dann nach New York City gefahren. Ebenfalls Dienstagnacht durchsuchte die Polizei einen Minivan auf dem Parkplatz des Baumarkts in der Stadt Passaic in New Jersey. Der Wagen hatte ein Nummernschild aus Florida.

Arbeit als Lkw- und Uber-Fahrer

Den Behörden zufolge hatte der Tatverdächtige einen in Florida ausgestellten Führerschein. "Er mochte die USA, er schien glücklich zu sein", sagte ein Bekannter von S. aus Florida der New York Times. "Er schien nicht wie ein Terrorist, aber ich kannte sein Innenleben nicht." Andere öffentliche Unterlagen führen eine Adresse in einem Wohnkomplex der Stadt Tampa auf. Bewohner dort sagten am Dienstagabend, FBI-Ermittler hätten ihnen Fragen gestellt. 

Der Fahrdienst Uber teilte mit, dass S. sechs Monate lang für den Anbieter gefahren sei. Er habe die Überprüfung des Unternehmens überstanden und mehr als 1.400 Fahrten absolviert. Nach dem Angriff sei der mutmaßliche Täter von dem Fahrdienst ausgeschlossen worden. Uber stehe in Kontakt mit dem FBI und überprüfe zudem das Fahrtenbuch des Mannes.  

Ein New Yorker Polizist konnte S. nach dem Anschlag schließlich mit einem Bauchschuss stoppen, er wurde festgenommen, in eine Klinik gebracht und operiert. Medien berichten, dass die Ärzte davon ausgehen, dass er überleben werde. Die Ermittler werden also vermutlich die Gelegenheit haben, den Tatverdächtigen selbst zu verhören und zu seinen Motiven zu befragen.