Das Verfahren um den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh könne nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft im Falle neuer Erkenntnisse jederzeit wieder aufgenommen werden. "So eine Einstellung bedeutet nicht den Tod des Verfahrens", sagte ein Sprecher der Behörde in Naumburg (Sachsen-Anhalt).

Der Asylbewerber aus Sierra Leone war 2005 wenige Stunden nach seiner Verhaftung in einer Dessauer Polizeizelle verbrannt. Polizei und Staatsanwaltschaft kamen damals zu dem Ergebnis, dass er den Brand selbst gelegt hatte, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Auch in zwei Landgerichtsprozessen hatte der Fall nicht geklärt werden können. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte die wieder aufgenommenen Ermittlungen im Oktober eingestellt.

Vor wenigen Tagen berichtete dann das ARD-Magazin Monitor, mehrere Sachverständige kämen zum Schluss, dass ein Tod durch Fremdeinwirkung wahrscheinlicher sei als die lange von den Ermittlungsbehörden verfolgte These einer Selbstanzündung des Mannes. Jalloh sei vermutlich bei Brandbeginn komplett handlungsunfähig oder sogar bereits tot gewesen. 

Die Staatsanwaltschaft Halle teilte allerdings mit, es gebe keine neuen Erkenntnisse: Alle vorliegenden Gutachten seien aktenkundig gewesen, als die Entscheidung über die Einstellung des Verfahrens getroffen worden sei.

Polizei schützt Gebäude

Als Reaktion auf die erneute Diskussion über die Justizentscheidungen im Fall Jalloh hat die Polizei in Dessau-Roßlau mehrere öffentliche Gebäude unter Schutz gestellt, darunter das Justizzentrum. "Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre können wir nicht ausschließen, dass es Übergriffe geben könnte", sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Ost. Erst zu Jahresanfang hatte es einen Brandanschlag auf das Justizzentrum gegeben. Anlass für den Polizeischutz sei die aktuelle Medienberichterstattung, so die Sprecherin.

Vor dem Justizzentrum in Halle versammelten sich am Freitag Demonstranten unter dem Slogan "Oury Jalloh – das war Mord", um unabhängige Ermittlungen zu fordern.