Der Ehemann der in der Türkei inhaftierten deutschen Journalistin Meşale Tolu ist aus der Haft entlassen worden. Suat Çorlu habe das Gefängnis in Istanbul verlassen, bestätigte der Sprecher des in Berlin ansässigen Solidaritätskreises Freiheit für Meşale Tolu, Baki Selçuk. Der Journalist sei nun auf dem Weg zu der Wohnung seines Schwiegervaters. Ein Gericht in Istanbul hat zuvor die Freilassung von Suat Çorlu angeordnet und den Haftbefehl aufgehoben. Es sei der erste Verhandlungstag Çorlus gewesen, der ebenfalls als Journalist in der Türkei arbeitete.

Vor dem Gefängnis warteten die Schwester und der Vater von Meşale Tolu auf ihn. Laut Selçuk läuft das Verfahren gegen Suat Çorlu weiter. Ihm wird wie seiner Frau "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" vorgeworfen, seit April war er in Untersuchungshaft. Çorlus Anwälte würden sich nun die schriftliche Begründung des Gerichts anschauen müssen. Möglicherweise sei die Freilassung mit Auflagen verbunden.

Tolu hat in der Türkei für eine linksgerichtete Nachrichtenagentur gearbeitet. Sie wurde Ende April festgenommen, als Polizisten einer Antiterroreinheit ihre Wohnung stürmten. Ihr wird "Mitgliedschaft in einer Terrororganisation" und "Terrorpropaganda" vorgeworfen. Der Deutschen drohen nach Angaben ihrer Anwältin bis zu zwanzig Jahre Haft. Derzeit sitzt Tolu zusammen mit ihrem zweijährigen Sohn im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakırköy ein.

An ihrem ersten Verhandlungstag Mitte Oktober wies sie die Terrorvorwürfe zurück und forderte ihre Freilassung. "Ich habe keine der genannten Straftaten begangen und habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen", sagte Tolu vor Gericht. Den Antrag ihrer Anwälte, sie bis zu einem Urteil auf freien Fuß zu setzen, lehnte das Gericht jedoch ab. Vertreter der Bundesregierung können die Journalistin und Übersetzerin Meşale Tolu am 1. Dezember erneut im Gefängnis besuchen.

Menschenrechtsgericht erhält Antwort der Türkei auf Vorwürfe Yüzels

Bewegung gibt es auch im Fall eines anderen inhaftierten deutschen Journalisten. Die türkische Regierung hat ihre Stellungnahme zum Fall des inhaftierten Welt-Korrespondenten Deniz Yücel beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Sie sei am Dienstag eingegangen, bestätigte ein Sprecher des Gerichts in Straßburg. Um Mitternacht wäre die vom Menschenrechtsgericht gesetzte Frist für die Stellungnahme zur Beschwerde Yücels gegen seine Untersuchungshaft abgelaufen. Das Dokument soll nun den beteiligten Parteien weitergeleitet werden. Über den Inhalt ist nichts bekannt.

Yücel, der die türkische und die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, sitzt seit dem 14. Februar in der Türkei im Gefängnis. Die Behörden bezichtigen ihn des Datenmissbrauchs, der Terrorpropaganda und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Eine Anklage legte die türkische Justiz in den neun Monaten allerdings nicht vor.  

In der Beschwerde beim Menschenrechtsgericht hatten Yücels Anwälte das Vorgehen als Verstoß gegen das Recht auf Freiheit und Sicherheit, gegen die Meinungsfreiheit und gegen das Verbot von Folter und unwürdiger Behandlung in der Haft bezeichnet, wie sie in der Europäischen Menschenrechtskonvention festgeschrieben sind. Sollte der Gerichtshof zu dem Schluss kommen, dass eine Grundrechtsverletzung vorliegt, wäre die Türkei als Europaratsmitglied verpflichtet, Yücel aus der U-Haft zu entlassen.