Im Jemen stirbt nach Schätzung vom UN-Kinderhilfswerk Unicef alle zehn Minuten ein Kind an einer Krankheit, die zu vermeiden gewesen wäre. Das teilte Geert Cappelaere mit, Unicef-Regionaldirektor für den Nahen Osten und Nordafrika. Laut der Hilfsorganisation benötigen insgesamt mehr als elf Millionen Kinder dringend Hilfe.

"Heute kann man mit Recht behaupten, dass der Jemen für Kinder eines der schlimmsten Länder auf der Welt ist", sagte Cappelaere. Zwei Millionen Kinder litten unter starker Unterernährung. Die bereits in fünf Regierungsbezirken verbreitete Diphtherie sei in weiteren Gebieten ausgebrochen. Bei knapp einer Million Menschen wird vermutet, dass sie an Cholera oder Wasserdurchfall erkrankt sein könnten.

Der Krieg im Jemen sei ein "Krieg gegen die Kinder", sagte Cappelaere weiter. Seit März 2015 seien fast 5.000 Kinder getötet oder schwer verletzt worden. Tausende Schulen und Gesundheitszentren seien zerstört.

Am Wochenende hatten erstmals seit einer dreiwöchigen Blockade wieder Hilfslieferungen den Jemen erreicht. Am Samstag landeten Flugzeuge mit Mitarbeitern der UN und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in der Hauptstadt Sanaa. Einen Tag später traf nach Angaben des Welternährungsprogramms ein mit Getreide beladenes Schiff in einem Hafen im Westen Jemens ein. Sanaa sowie der Hafen liegen in dem Gebiet, das von den schiitischen Huthi-Rebellen kontrolliert wird.

Unicef teilte außerdem mit, 1,9 Millionen Dosen an Impfmitteln in das Land geflogen zu haben. Damit sollen etwa 600.000 Kinder gegen Diphterie, Hirnhautentzündung, Keuchhusten, Lungenentzündung und Tuberkulose geimpft werden.

Nach UN-Angaben benötigen mehr als 20 Millionen Menschen im Jemen Hilfe. Sieben Millionen Menschen stehen demnach kurz vor einer Hungersnot.

Vor drei Wochen hatte die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition eine Blockade verhängt, die auch Hilfsgüter betraf. Das Bündnis wirft den Rebellen vor, über Hilfslieferungen Waffen zu schmuggeln.

Saudi-Arabien und mehrere andere Golfstaaten unterstützen seit zweieinhalb Jahren die international anerkannte Regierung des Jemen militärisch gegen die Huthis, die wiederum die Rückendeckung des Iran haben.