Die Mitinitiatorin des Berliner Holocaustmahnmals, Lea Rosh, freut sich über den Nachbau des Denkmals auf einem Nachbargrundstück des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. "Das ist eine wunderbare Idee", sagte Rosh. Die Aktion so kurz vor der Weihnachtszeit sei eine "herrliche Bestrafung" für Höcke. So müsse er vor seinem Haus den Nachbau des Denkmals für die ermordeten Juden Europas erdulden. Die Mahnmal-Stiftung in Berlin wollte sich zu der Aktion auf Anfrage nicht äußern.

Die Künstlergruppe Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) hat nach eigenen Angaben 24 Betonstelen in Sichtweite von Höckes Haus im thüringischen Bornhagen aufgestellt. Das Grundstück dafür mieteten sie demnach selbst an.

Das ZPS protestiert mit der Aktion gegen Höcke, der in einer Rede im Januar in Dresden das Gedenken an die Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten diffamierte und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" forderte. "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat", sagte er in Dresden im Januar dieses Jahres.

Die Aktion ist ein Sonderprojekt im Rahmen des dritten Berliner Herbstsalons des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin. "Wir wollen und können die grotesken Forderungen zur Geschichtspolitik nicht auf sich beruhen lassen", teilte der künstlerische Leiter des ZPS, Philipp Ruch, mit. Die Künstlergruppe forderte Höcke auf, dass er vor dem Denkmal in Berlin oder dem Nachbau in Bornhagen "wie einst Willy Brandt vor dem Denkmal auf die Knie fällt" und um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs bittet.

Nachdem die Künstler ein Video der Aktion bei YouTube veröffentlicht hatten, sperrte die Plattform zeitweise das Konto wegen schwerwiegender Verstöße gegen die YouTube-Richtlinien. Mittlerweile ist es wieder zugänglich.

CDU spricht von "Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit"

AfD-Landessprecher Stefan Möller kritisierte die Aktion. Damit sei "eine Grenze überschritten", sagte er. Er warf den Künstlern vor, unbeteiligten Familienmitgliedern Angst zu machen. Das ZPS gibt vor, Möllers Nachbarn Höcke und dessen Tun in den vergangenen Monaten durch einen selbst gegründeten "Zivilgesellschaftlichen Verfassungsschutz Thüringen" beobachtet zu haben. Der AfD-Politiker André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt beklagte, Höcke und seine Familie seien "monatelang ausgespäht" worden.

Auch der Präsident des Thüringer Landtags, Christian Carius (CDU), verurteilte die Aktion: "Die Gesamtaktion des Zentrums für Politische Schönheit hat nichts mit Kunst zu tun", sagte er. "Das Abhören und Ausspionieren von Abgeordneten und ihren Familien gleicht den Zersetzungsmethoden der Staatssicherheit."

Für die Polizei stand am Mittwoch laut einer Sprecherin zunächst der Schutz von Höckes Wohnhaus im Vordergrund. "Dann werden wir prüfen, inwiefern ein möglicher Strafbestand vorliegt." Man sei mit einem kleinen Aufgebot vor Ort, sagte die Sprecherin.

Das Zentrum für Politische Schönheit ist bekannt für seine oft provokativen Inszenierungen. 2014 montierten die Aktivisten aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik 14 Gedenkkreuze für Maueropfer am Spreeufer ab, später brachten sie sie wieder zurück. 2016 hielten sie über zwei Wochen vier lebende Tiger in einem großen Käfig vor dem Maxim-Gorki-Theater in Berlin und kündigten mehrfach an, Flüchtlinge würden sich öffentlich "zerfleischen" lassen. Die Aktionen sollten auf die Missstände in der europäischen Flüchtlingspolitik aufmerksam machen.