Amnesty International hat den EU-Mitgliedsstaaten vorgeworfen, mitverantwortlich für die Ausbeutung von Geflüchteten in Libyen zu sein. Laut einem Bericht der Menschenrechtsorganisation unterstützen die Staaten das libysche Innenministerium und die Küstenwache dabei, Zehntausende Menschen in Haftzentren zu bringen. Dort würden sie einem Sprecher von Amnesty Deutschland zufolge ausgebeutet und misshandelt.

Die EU-Mitgliedsstaaten handelten nach Auffassung von Amnesty International verantwortungslos, wenn sie die libysche Küstenwache mit Technik und Experten dabei unterstützen, geflüchtete Menschen im Mittelmeer aufzugreifen. Sie machten sich zudem durch ihre Unterstützung wissentlich zu Komplizen eines kriminellen Systems. Die Menschenrechtsorganisation forderte, diese Zusammenarbeit sofort zu beenden. Die EU solle sich zudem dafür einzusetzen, dass Flüchtlinge nicht mehr willkürlich inhaftiert würden. Die Menschen sollten aus den Haftzentren freigelassen werden.

Der Bericht zeige zudem, dass Teile der libyschen Küstenwache mit Schleusern zusammenarbeiteten. Ehemalige Gefangene der Haftzentren hätten von Folter und Zwangsarbeit berichtet. Die Menschen würden erpresst und ausgeraubt. Dem Sprecher zufolge sei es vorgekommen, dass Familien am Telefon mitanhören müssten, wie die Angehörigen misshandelt werden. So solle Lösegeld erpresst werden.

Hilfsorganisationen berichten schon länger über Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit von Flüchtlingen. Ein Bericht, wonach in Libyen Flüchtlinge als Sklaven verkauft werden, hatte im November große Proteste ausgelöst. In der Vergangenheit hatte es viele Informationen über die unmenschlichen Zustände für Flüchtlinge in Libyen gegeben. Die UN-Organisation für Migration etwa hatte bereits im April über die Versteigerung von Migranten berichtet.

Deutschland zahlt 120 Millionen Euro nach Libyen

Deutschland hatte vor zwei Wochen 120 Millionen Euro zur Verbesserung der Lage von Flüchtlingen in Libyen zur Verfügung gestellt. Das Auswärtige Amt teilte damals mit, das zusätzliche Geld solle dazu dienen, Flüchtlinge besser zu schützen sowie sie in ihre Länder zurückführen oder anderswo aufnehmen zu können. Außerdem sollten arme Regionen des nordafrikanischen Landes finanziell unterstützt werden.

Libyen ist das Hauptdurchgangsland für Flüchtlinge auf dem Weg von Afrika nach Europa. In diesem Jahr erreichten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR bereits 137.000 Menschen über Nordafrika Italien und Spanien. Die meisten kamen über Libyen, wo die Zentralregierung keine Kontrolle über weite Teile des Landes hat. In vielen Gebieten haben bewaffnete Milizen die Kontrolle übernommen und verdienen vielfach auch am Schleusergeschäft mit.