Die Berliner Polizei hat in Berlin und Sachsen-Anhalt mehrere Gebäude durchsucht. Am Donnerstag kam es zu Razzien in mehreren Gebäuden wegen mutmaßlicher Reisebewegungen in Gebiete der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Zudem nahmen die Ermittler im niedersächsischen Salzgitter zwei mutmaßliche IS-Unterstützer fest, die mit Straftaten gedroht haben sollen.

Die Ermittlungen richten sich gegen drei Männer im Alter von 18 bis 21 Jahren, die im November vergangenen Jahres von Berlin über die türkische Metropole Istanbul in die vom IS kontrollierten Gebiete in Syrien übergesiedelt sein sollen. Den Strafverfolgungsbehörden zufolge hält sich das Trio vermutlich nach wie vor dort auf. Berichten der B.Z. zufolge soll es sich bei den Verdächtigen um Personen aus dem Umfeld Anis Amris handeln. Der 23-jährige Tunesier Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen auf das Gelände des Weihnachtsmarktes am Breitscheidplatz gefahren. Bei dem islamistisch motivierten Anschlag wurden zwölf Menschen getötet, 67 weitere wurden verletzt.

Gegen die drei Verdächtigten wird wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung und Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Einer der Verdächtigen soll demnach in Syrien auch eine militärische Ausbildung erhalten haben.

Bei den Razzien in Berlin und Sachsen-Anhalt vollstreckten der Generalstaatsanwaltschaft zufolge etwa 130 Beamte neun Durchsuchungsbeschlüsse, auch Spezialkräfte waren im Einsatz. Sie beschlagnahmten demnach Beweismittel, insbesondere digitale Speichermedien.

Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) hatte mindestens einer der jetzt in den Fokus gerückten Islamisten am Tag des Anschlags Kontakt zu Amri. Das gehe aus Ermittlungsakten der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamtes hervor. Der Verdächtige sei damals nur Stunden vor dem Attentat mit dem Tunesier im Berliner Stadtteil Wedding spazieren gegangen. Danach hätten sie gemeinsam mit einem weiteren Tunesier eine Moschee und einen Imbiss aufgesucht. Schließlich sei das Trio noch für eine Viertelstunde zum Alexanderplatz gegangen. Anderthalb Stunden nach dem Anschlag sei dann der Amri-Begleiter auf dem Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche gesehen worden, schreibt das RND.

Im Fokus der Behörden steht zudem ein vierter Verdächtiger. Es wird angenommen, dass er die anderen zum Flughafen fuhr. Ihm werde Beihilfe zur Ausreise vorgeworfen.

Zwei Palästinenser in Salzgitter verhaftet

In Salzgitter nahmen Polizisten unterdessen zwei 21-Jährige fest, die islamistische Inhalte im Internet veröffentlicht und dort mit der Begehung von Straftaten "unter Bezugnahme auf den IS" gedroht haben sollen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Celle mitteilte, wurden sie bereits am Dienstag festgenommen und sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Den beiden Palästinensern werden demnach Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten vorgeworfen. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden unter Verweis auf die derzeit noch laufenden Ermittlungen aber nicht.

Die niedersächsische Landesregierung lobte den Einsatz. "Wie gefährlich die Täter im vorliegenden Fall in Salzgitter tatsächlich sind und ob möglicherweise ein Terrorakt im Keim erstickt werden konnte, werden die weiteren Ermittlungen ergeben", sagten Innenminister Boris Pistorius (SPD) und Justizministerin Barbara Havliza (CDU) in Hannover.

Erst am Mittwoch waren bei Razzien in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bayern drei mutmaßliche ehemalige islamistische Kämpfer festgenommen worden. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe stehen sie im Verdacht, 2013 in Syrien eine mit der Dschihadistengruppe Al-Nusra-Front in Verbindung stehende kämpfende Einheit unterstützt zu haben. Bereits im Oktober hatte die Berliner Polizei bei einer Razzia in der Islamisten-Szene mehrere Waffen und 20.000 Schuss Munition beschlagnahmt. Ein 40-jähriger Verdächtiger war festgenommen worden.