Breitscheidplatz - Berlin gedenkt der Opfer des Weihnachtsmarkt-Anschlags Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt wird am Breitscheidplatz eine Gedenkstätte eingeweiht. Einige Angehörige hatten der Bundesregierung zuvor zu wenig Unterstützung vorgeworfen. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen haben am Vormittag die Gedenkfeierlichkeiten für den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor einem Jahr begonnen. Gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel kamen Hinterbliebene und Betroffene in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz zusammen. Dort hatte der Tunesier Anis Amri am 19. Dezember 2016 einen gestohlenen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert. Zwölf Menschen wurden getötet und rund 70 weitere verletzt.

Die Gedenkfeierlichkeiten begannen am Vormittag mit einer interreligiösen Andacht, in der auch Bundespräsident Steinmeier eine kurze Ansprach hielt. "Wir trauern um zwölf Menschen aus Deutschland, aus Polen, Tschechien und der Ukraine, aus Israel und Italien, um Frauen und Männer, die in Berlin lebten, ihrer Arbeit nachgingen oder hier zu Besuch waren", sagte er und fügte hinzu: "Ich will Ihnen versichern: Wir lassen Sie mit alldem nicht allein." Der Bundespräsident dankte den Einsatzkräften am Abend des Anschlags und den Helfern in den folgenden Wochen und Monaten und räumte Fehler der Politik ein: "Zur Wahrheit gehört auch, dass manche Unterstützung spät kam und unbefriedigend blieb."

"Seltsam kühl und abgeklärt"

Steinmeier erinnerte an den Umgang mit der Tat. Schon am Abend des 19. Dezember habe es geheißen: "Wir lassen uns nicht einschüchtern." Diese Aussagen seien stark und richtig. "Aber so kurz nach dem Anschlag, als die unfassbare Gewalt gerade in unseren Alltag eingebrochen war, klangen sie nicht mehr nur trotzig und selbstbewusst, sondern auch seltsam kühl und abgeklärt." Der Appell sei verstanden worden als ein "Weitermachen wie bisher" und habe bei Hinterbliebenen und Verletzten Unverständnis hervorgerufen, fügte der Bundespräsident hinzu. Schmerz und Leid dürften nicht verdrängt werden.

Es sei eilfertig, zu sagen, dass es in der offenen Gesellschaft keine vollkommene Sicherheit geben könne, so richtig diese Erkenntnis auch sei, sagte Steinmeier. "Wir müssen zuerst aussprechen und anerkennen, wo vermeidbare Fehler geschehen sind", betonte das Staatsoberhaupt. "Dieser Anschlag hätte nie passieren dürfen. Und ja, es ist bitter, dass der Staat Ihre Angehörigen nicht schützen konnte."

Ein Riss im Boden, Namen auf den Stufen

Steinmeier wandte sich damit vor allem an die Hinterbliebenen der Toten, die sich in einem offenen Brief an Kanzlerin Merkel gewandt hatten. Die Familien der Opfer hatten der Bundesregierung Versäumnisse vorgeworfen, aber auch mangelnde emotionale Unterstützung sowie bürokratische Hemmnisse nach dem Anschlag beklagt. Merkel hatte am Montag rund 80 Opfer und Hinterbliebene im Bundeskanzleramt empfangen.  

Im Anschluss an die Andacht weihten Steinmeier, Merkel, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller eine zentrale Gedenkstätte ein. Künftig findet sich ein rund 14 Meter langer, goldfarbener Riss auf dem Breitscheidplatz. Er soll die tiefe Wunde symbolisieren, die das Attentat im Leben der Betroffenen hinterließ. Daneben sind auf den Treppenstufen der Gedächtniskirche die Namen der zwölf Toten angebracht. Für den Abend ist ein ökumenisches Friedensgebet angesetzt. Um 20.02 Uhr sollen die Glocken der Kirche zwölf Mal läuten. Der Weihnachtsmarkt ruht an diesem Tag.