Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Versäumnisse in Zusammenhang mit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz eingeräumt. "Heute ist ein Tag der Trauer, aber auch ein Tag des Willens, das, was nicht gut gelaufen ist, besser zu machen", sagte Merkel nach der Gedenkveranstaltung zum ersten Jahrestag des Attentats.

Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Frage aufgeworfen, ob die Maßnahmen zur Terrorabwehr ausreichend seien: "Tun wir wirklich alles, was wir in unserem demokratischen Rechtsstaat tun können und tun müssen, um Terroranschläge zu verhindern?" Angesichts der Ermittlungspannen gegen den Attentäter Anis Amri mahnte er: "Wir müssen Versäumnisse aufklären und aus Fehlern lernen." Zudem forderte das Staatsoberhaupt mehr Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer.

"Schonungsloses Gespräch" mit Betroffenen

Am Montag war Merkel zum ersten Mal mit Betroffenen und Angehörigen im Bundeskanzleramt zusammengetroffen. "Es war ein sehr offenes, auch von Seiten der Menschen, die betroffen sind, sehr schonungsloses Gespräch", sagte Merkel. Der Austausch habe gezeigt, "welche Schwächen unser Staat in so einer Situation auch gezeigt hat". Merkel kündigte in wenigen Monaten ein erneutes Treffen an. Dabei gehe es um die Fragen: "Was haben wir gelernt? Was werden wir in Zukunft anders machen?"

Die Hinterbliebenen und Verletzten des Anschlags hatten in einem offenen Brief die Bundesregierung, aber auch den Berliner Senat und die Sicherheitsbehörden kritisiert. Sie rügten unter anderem, dass der Staat die Betroffenen nicht ausreichend finanziell unterstützt habe. Der Kanzlerin warfen sie vor, sich nie persönlich an die Hinterbliebenen gewandt zu haben.

Der Anschlag habe für viele Menschen ihr bisheriges Leben zerstört, sagte Merkel nun. Die Bundesregierung werde "alles Menschenmögliche" tun, damit Betroffene eines Anschlags wieder leichter ins Leben zurückfänden. Merkel nahm mit anderen Mitgliedern der Bundesregierung, dem Bundespräsidenten und weiteren Spitzenpolitikern an der Einweihung einer Gedenkstätte auf dem Berliner Breitscheidplatz teil, dem Ort des Attentats.

Zuvor hatte auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) gesprochen. "Heute halten wir alle inne", sagte Müller bei der Übergabe der Gedenkstätte. "Die Nacht des 19. Dezember und die Tage danach werden uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben."