Der Polizei von Charlottesville sollen bei ihrem Einsatz bei einer Kundgebung von Rechtsextremen im August schwere Fehler unterlaufen sein. Das geht aus einem Bericht hervor, den der eingesetzte Ermittler Tim Heaphy vorgelegt hat. Darin heißt es unter anderem: Das Scheitern von Planung und Koordinierung habe "desaströse Folgen" gehabt.

Bei einer Demonstration rechtsextremer und rassistischer Gruppen gegen die Entfernung eines Südstaaten-Denkmals war es in Charlottesville im Bundesstaat Virginia zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen. Heaphy, ehemaliger Staatsanwalt und oberster Strafverfolger der USA, hatte im Auftrag der Behörden mehrere Monate lang untersucht, ob bei der Kundgebung Fehler gemacht worden sein. Sein Ergebnis: Die Polizei habe sich mehrfach falsch verhalten.

Zum einen hätten sich die Behörden nicht ausreichend auf die Demonstration vorbereitet. Zum anderen hätten sich die städtischen Polizei und die Beamten des Bundesstaats viel zu schlecht abgesprochen. Heaphy kritisierte zudem, dass die Polizisten während des Neo-Nazi-Aufmarschs keinen Funkkontakt gehalten hätten. Insgesamt habe die Polizei zu passiv auf das Chaos reagiert. In dem Bericht heißt es, es sei der Polizei "nicht gelungen, Ordnung zu halten und Bürger vor Schaden, Verletzungen oder Tod zu bewahren" – damit habe der Staat bei einer seiner Kernaufgaben versagt. Diese Pannen resultierten nun in einem tiefgehenden Misstrauen der Bewohner von Charlottesville gegenüber der Regierung. Der Ex-Staatsanwalt befragte für seine Untersuchung 150 Personen und wertete mehr als 500.000 Dokumente aus.

Am 12. August sollte in Charlottesville die Statue des Konföderierten-Generals Robert Lee aus einem Park entfernt werden. Lee führte im Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65) die Streitkräfte der amerikanischen Südstaaten an. Weiße Nationalisten hatten zu Demonstrationen gegen den Abbau aufgerufen, gegen diese Kundgebung waren wiederum Gegendemonstrationen angemeldet worden. Es kam zu Auseinandersetzungen, die in gewaltsamem, Stunden dauernden Straßenkämpfen gipfelten. Bei einem friedlichen Protestmarsch von Gegendemonstranten raste ein mutmaßlicher Neonazi mit seinem Auto in die Menschenmenge und tötete eine Frau, weitere Menschen wurden verletzt. US-Präsident Donald Trump hatte nach den Vorfällen "Gewalt auf beiden Seiten" angeprangert, wofür er von verschiedenen Seiten kritisiert worden war.