Gegen den am Mittwoch in Karlsruhe festgenommenen Terrorverdächtigen ist Haftbefehl erlassen worden. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Der 29-jährige Dasbar W. wird verdächtigt, einen Anschlag auf dem Karlsruher Schlossplatz geplant zu haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass W. ein Sympathisant der Terrormiliz "Islamischer Staat" ist. Nach ersten Erkenntnissen soll er erwogen haben, mit einem Fahrzeug einen Anschlag auf die Stände rund um die Eisfläche auf dem Karlsruher Schlossplatz zu begehen. Seit dem Sommer habe er die Örtlichkeiten rund um das Schloss ausgekundschaftet. Seit September habe er sich außerdem vergeblich bei verschiedenen Paketdiensten um eine Anstellung als Fahrer beworben. Nach Angaben der Ermittler ist der Verdächtige gebürtiger Deutscher.

Spezialkräfte hatten am Mittwoch auch die Wohnung des Terrorverdächtigen nach Hinweisen durchsucht. Nach Angaben des Landeskriminalamts waren 70 Einsatzkräfte beteiligt. Die Ermittler stellten unter anderem mehrere Handys und PCs in dessen Wohnung sicher. Nun soll das Umfeld des 29-Jährigen beleuchtet und herausgefunden werden, ob ihn im Hintergrund jemand anleitete und unterstützte.

Den Behörden bei islamistischer "Lies!"-Aktion aufgefallen

Der Mann war der Behörden erstmals mit Zusammenhang mit der islamistischen "Lies!"-Aktion aufgefallen. Die Verteilung in Innenstädten war die größte und aufwendigste Werbeaktion von Salafisten in Deutschland. Dahinter stand die 2005 gegründete Organisation "Die wahre Religion", die zuletzt mehrere Hundert Mitglieder gehabt haben soll. Als Gründer und Initiator gilt der Laienprediger Ibrahim Abou-Nagie. Das Bundesinnenministerium hatte die Organisation 2016 verboten. Bundesweit seien rund 140 junge Islamisten nach einer Radikalisierung durch "Lies!" in die Kampfgebiete des IS gereist.

Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass W. den IS zunächst von Deutschland aus mit Propagandavideos unterstützt hatte, bevor er 2015 und 2016 in IS-Gebiete im Irak reiste. Im Juli 2017 kehrte er nach Erkenntnissen der Ermittler zurück nach Deutschland und begann dort mutmaßlich mit den Vorbereitungen für einen terroristischen Anschlag.

Laut Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) stand der Verdächtige bereits seit Längerem unter Beobachtung. "Die Sicherheitsbehörden hatten den Tatverdächtigen genau im Blick und haben akribisch und umfangreich ermittelt." Es habe sich der Verdacht erhärtet, dass er die Ideologie des IS vertrete. Mit der Festnahme habe man auf eine "sehr ernste Bedrohung" reagiert, so Strobl.