In den Asylverfahren legt ein zunehmender Anteil von Flüchtlingen gefälschte Ausweispapiere vor. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mitteilte, wurden von Januar bis Ende September 2017 rund 4,5 Prozent der vorgelegten Dokumente beanstandet: gut 10.400 von rund 233.000. Im vergangenen Jahr war der Anteil mit 2,6 Prozent Anteil niedriger, die absolute Zahl aufgrund der insgesamt höheren Zahl der Verfahren aber höher: Knapp 12.800 von mehr als 491.000 geprüften Papieren wurden damals als ge- oder verfälscht eingestuft. Als Ausweispapiere gelten neben Reisepässen auch etwa Geburtsurkunden, Führerscheine oder Zeugnisse.

Demnach konnten in diesem Jahr weitere 5.370 Papiere nicht abschließend bewertet werden, weil sie beispielsweise in schlechtem Zustand waren oder das Bamf kein Vergleichsmaterial hatte. Das Bamf unterhält eine Zentrale und drei regionale Prüfzentren zur Kontrolle der Ausweisdokumente. Oft sind es Kleinigkeiten – ein fehlender Stempel, eine andere Schriftart oder Drucktechnik –, die echte von gefälschten Pässen unterscheiden.

Gefälschte Ausweispapiere werden immer wieder im Zusammenhang mit Terrorgefahr problematisiert. Im Oktober hatten Medien berichtet, dass Anis Amri, der Attentäter des Anschlags auf den Berliner Breitscheidplatz, mehr als ein Dutzend gefälschte Identitäten besaß.

Seit Oktober 2016 wird jede Fälschung der Polizei gemeldet. Auf gefälschte Ausweispapiere stehen meist Strafen im unteren dreistelligen Euro-Bereich. Das Bamf überprüft auch, ob die Dokumente "sicherheitsrelevant" sind und schaltet gegebenenfalls das Bundeskriminalamt ein. Im Jahr 2015 hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) behauptet, 30 Prozent der syrischen Asylbewerber reisten mit falschem Pass ein. Eine Regierungsantwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken ergab jedoch, dass bei einer stichprobenartigen Untersuchung nur acht Prozent der syrischen Personaldokumente beanstandet wurden.

Viele Asylbewerber reisen allerdings ganz ohne Papiere ein: mindestens 60 Prozent, wie das Bamf im März schätzte. Der Umstand, dass Flüchtlinge keinen Ausweis bei sich trügen, könne aber "nicht pauschal als ein Indiz für Täuschungsabsicht oder Missbrauch des Asylverfahrens interpretiert werden", sagte damals ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Es komme immer auf die Umstände des konkreten Einzelfalles an.