Die Zahl der Angriffe und Anfeindungen gegen Flüchtlingsheime ist in diesem Jahr deutlich zurückgegangen. Das Bundeskriminalamt zählte bis vergangenen Montag 264 entsprechende Straftaten, davon 251 begangen von rechtsmotivierten Tätern. Damit ist die Anschlagszahl auf rund ein Viertel der Vorjahre gefallen. In den Jahren starken Flüchtlingsandrangs 2015 und 2016 kam es zu jeweils rund Tausend Angriffen.

Zu den häufigsten registrierten Delikten zählen Propagandataten wie Schmierereien, Sachbeschädigungen und Gewalttaten. In 16 Fällen versuchten die Täter, Flüchtlingsheime in Brand zu stecken. Zweimal kam es zu Explosionen, jeweils an Neujahr: in Kraichtal in Baden-Württemberg und in Altusried in Bayern. In Altusried ließen die Täter einen nicht frei verkäuflichen Böller in einem Standaschenbecher vor dem Heim hochgehen. Der Eingangsbereich wurde demoliert, verletzt wurde niemand.

Einer der Gründe für den Rückgang könnte die zurückgehende Zahl an Notunterkünften sein. Seit 2015 kommen immer weniger Flüchtlinge nach Deutschland, viele Notunterkünfte wurden deshalb geschlossen.

Mehr Angriffe außerhalb der Heime

Die Bundestagsabgeordnete Petra Pau (Die Linke) hält den Rückgang der Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte zwar für erfreulich, verweist aber auf eine Zunahme von Angriffen auf Asylbewerber außerhalb der Heime. In den ersten drei Monaten seien 318 Menschen angegriffen und 54 verletzt worden. Im dritten Quartal seien es schon 425 Angriffe und 76 Verletzte gewesen. "Das sagt etwas über die gesellschaftliche Stimmung aus", sagt Pau. Dazu habe der Wahlkampf mit Flüchtlingsthemen beigetragen. Das Thema Einwanderung rückte laut einer Infratest-Umfrage von Platz 12 im Wahljahr 2013 auf Platz 1 im Wahljahr 2017.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte: "Das Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit bleibt beschämend für unser Land. Die Täter müssen konsequent zur Rechenschaft gezogen werden."