Die Metropolitan Opera in New York hat die Zusammenarbeit mit ihrem Stardirigenten und langjährigen Musikdirektor wegen Missbrauchsvorwürfen vorerst ausgesetzt. Der 74-Jährige werde bei keinen Aktivitäten der Oper dabei sein, er werde auch die für diese Saison geplanten Auftritte nicht erfüllen, teilte das weltberühmte Opernhaus auf Twitter mit. Ein früherer US-Anwalt werde angestellt, um eine Untersuchung in der Sache zu leiten.

Met-Geschäftsführer Peter Gelb sagte, das Opernhaus habe entschieden, jetzt zu handeln, während es auf die Ergebnisse der Ermittlung warte, die auf neuen Berichten basierten. Mit Blick auf die Vorwürfe sagte er: "Das ist eine Tragödie für jeden, dessen Leben davon betroffen ist."

Die Beschuldigungen beziehen sich unter anderem auf eine Beziehung in den achtziger Jahren, die Levine mit einem damals minderjährigen Mann begonnen haben soll. Dieser wirft ihm vor, ihn zum Vorspielen nach New York eingeladen und dann zu sexuellen Experimenten ermutigt zu haben. Er sei damals unter 18 gewesen. Die Beziehung mit Levine habe bis in sein Erwachsenenalter angedauert. Der Dirigent habe ihm jahrelang Geld gegeben, wenn er in finanziellen Schwierigkeiten gewesen sei, insgesamt mehr als 50.000 Dollar.

Levine war von 1976 bis 2016 Musikdirektor der Metropolitan Opera und hat dort nun den Titel Musikdirektor Emeritus. Er ist einer der prominentesten Dirigenten der Welt. Die Film- und Musikszene wird seit einiger Zeit von Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens und Machtmissbrauchs berühmter Persönlichkeiten erschüttert. Die Serie begann mit Vorwürfen gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein im Oktober.

Laut New York Times erklärte sich Levine 2016 auf Nachfrage der Met für nicht schuldig. Eine E-Mail an Levines Manager mit Bitte um eine Stellungnahme blieb zunächst unbeantwortet.