An dem Verdacht gegen den Karlsruher Terrorverdächtigen gibt es Zweifel. Die Beschuldigungen gegen Dasbar W. beruhten vor allem auf Aussagen eines V-Mannes des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, berichtete der Rechercheverbund von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR. Ausgerechnet diesen V-Mann soll Dasbar W. demnach selbst bei der Polizei angezeigt haben – und zwar schon Ende November. Der 29 Jahre alte Terrorverdächtige war kurz vor Weihnachten wegen eines möglichen Anschlags auf den Karlsruher Weihnachtsmarkt verhaftet worden. 

Der V-Mann hätte ausgesagt, dass er W. auf einem Lehrgang für Gabelstaplerfahrer kennengelernt habe, berichtete der Rechercheverbund. W. habe ihm demnach anvertraut, dass er von einem hochrangigen Funktionär der Terrororganisation IS einen Auftrag für einen Anschlag erhalten habe. Mit diesem habe er in direkter Verbindung gestanden, der IS habe ihn außerdem finanziell unterstützt, soll W. dem V-Mann laut dessen Aussage gesagt haben.

Auch aus Angst vor Repressalien des IS gegen seine noch im Irak lebende Familie habe W. den Anschlag begehen wollen. Zunächst sei es um Orte in Frankreich und Belgien gegangen, so Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR. Die Ermittler prüfen demnach inzwischen, ob eine Eislaufbahn am Karlsruher Schloss Ziel eines Anschlags gewesen sein könnte. Für die Umsetzung soll sich der Verdächtige bei Paketdiensten beworben haben, um möglicherweise an ein Fahrzeug für die Attacke zu kommen.

Verdächtiger meldete V-Mann als Islamist

Die Anzeige, mit der W. wiederum den V-Mann belastete, sei bereits am 27. November erfolgt, also Wochen vor der Verhaftung des Terrorverdächtigen. Nach Informationen des Rechercheverbunds soll W. den Beamten mitgeteilt haben, dass er einen Bekannten habe, dem er einen Anschlag zutraue. Als mögliches Ziel habe er den Karlsruher Weihnachtsmarkt genannt.

W.s Verteidiger Marc Jüdt sagte dem Rechercheverbund, dass sein Mandant selbst keine Pläne für einen Anschlag gehabt habe und die Vorwürfe bestreite. Noch am Morgen seiner Festnahme sei er wiederholt bei der Polizei gewesen, um gegen den Informanten auszusagen.

Laut dem Bericht werten die Ermittlungsbehörden die Aussagen gegen den V-Mann jedoch als Versuch der Irreführung. Womöglich habe W. erkannt, dass dieser ein Informant sei und dann versucht, den Verdacht von sich abzulenken.

Die Bundesanwaltschaft hatte zuvor mitgeteilt, dass W. den IS zunächst von Deutschland aus mit Propagandavideos unterstützt habe, bevor er 2015 und 2016 in irakische IS-Gebiete gereist sei. Im Juli 2017 kehrte er nach Erkenntnissen der Ermittler zurück nach Deutschland und soll dort mit den Vorbereitungen für einen terroristischen Anschlag begonnen haben. Das belegen nach Angaben der Bundesanwaltschaft unter anderem in seiner Wohnung abgehörte Gespräche, in denen er über Schusswaffen und Bomben gesprochen haben soll.