Der erhöhte Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Berliner Polizeiakademie hat nach Einschätzung der Berliner Polizei keinen Einfluss auf das Verhalten der Polizeischüler. Das geht aus einem internen Untersuchungsbericht hervor, der ZEIT ONLINE vorliegt. Darin stellt die Polizei zwar strukturelle Probleme nach einer Reform der Ausbildung und einzelnes Fehlverhalten von Schülern fest. Hinweise auf generelle Probleme mit Auszubildenden mit Migrationshintergrund oder gar eine Unterwanderung durch kriminelle Großfamilien fanden die Autoren jedoch nicht.

Die Berliner Zeitung hatte Anfang November von einer Sprachnachricht eines Dozenten berichtet, in der sich dieser über das Benehmen einer Ausbildungsklasse – besonders der Schüler mit Migrationshintergrund – beschwert hatte. Außerdem berichtete die Zeitung von einem offenen Brief eines Polizisten, der behauptete, die Berliner Polizei werde von kriminellen arabischen Großfamilien unterwandert. Auch der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Bodo Pfalzgraf, sprach im ZDF von "deutlichen Hinweisen" auf eine solche Unterwanderung. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte die Analyse daraufhin angefordert.

Die Lehrenden an der Akademie widersprachen laut dem Untersuchungsbericht diesen Darstellungen. Zwar gebe es "gravierende Verstöße im Einzelfall". Die habe es jedoch immer gegeben. Ihre Anzahl sei nach Einschätzung der Ausbilder proportional zur Zahl der Auszubildenden gestiegen. Vertreter der Polizeischüler, die für die Untersuchung ebenfalls befragt wurden, kamen zu ähnlichen Einschätzungen.  

Einen Zusammenhang zwischen problematischem Verhalten von Auszubildenden und dem erhöhten Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund wollten weder Schüler noch Lehrer herstellen. Berichte über gesonderte Schwimmzeiten für muslimische Polizeischüler im Unterricht seien falsch. Auch auf die angebliche Unterwanderung durch kriminelle Clans fanden die Autoren der Untersuchung keine Hinweise. Polizeipräsident Klaus Kandt und Innensenator Geisel hatten die bereits ausgeschlossen.

"Der Reformbedarf liegt auf der Hand"

Der Bericht zeigt jedoch auch Missstände bei der Akademie auf. So hätten die Ausbilder das Gefühl, dass heutige Generationen von Bewerbern "Sozialtugenden" vermissen ließen. Pünktlichkeit, Höflichkeit, eine deutliche, hochdeutsche Aussprache und die Bereitschaft sich anzustrengen seien in den vergangenen Jahren "merkbar zurückgegangen".

Schüler und Auszubildende wünschten sich laut den Autoren der Studie, sie könnten mehr Zeit miteinander verbringen. So sprachen sich viele für eine Art "Klassenstunde" aus, in der Lehrer und Schüler aktuelle Probleme besprechen könnten. 

Außerdem folge der Aufbau der Polizeischule seit einer Strukturreform der Polizeiakademie zwischen 2003 und 2006 "keiner einheitlichen Ordnung". Viel mehr sei er das Ergebnis vieler verschiedener Strukturveränderungen über die vergangenen Jahre. "Eine stringente Logik ist nicht erkennbar", befinden die Autoren. "Der Reformbedarf liegt auf der Hand."