Im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul sind bei einem Selbstmordanschlag mindestens 95 Menschen getötet und 158 verletzt worden. Die Zahl der Todesopfer könne noch weiter ansteigen, sagte ein Regierungssprecher. Das afghanische Gesundheitsministerium bestätigte damit entsprechende Medien- und Augenzeugenberichte. Zuvor hatten die radikalislamischen Taliban die Verantwortung für die Tat übernommen.

Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, ereignete sich der Anschlag an einem Sicherheitsposten des ehemaligen Innenministeriums, das aber immer noch zu Teilen benutzt wird. Demnach nutzte der Attentäter einen mit Sprengstoff beladenen Rettungswagen. Nach Angaben des Sprechers konnte der Täter einen ersten Sicherheitsposten in der schwer bewachten Straße noch passieren, nachdem er angegeben habe, Patienten zu einem nahe gelegenen Krankenhaus zu bringen. Bei einem zweiten Checkpoint sei er dann aber aufgehalten und "erkannt" worden. Daraufhin habe er den Sprengstoff gezündet.

Eine der am besten bewachten Straßen Kabuls

Die Taliban reklamierten die Tat mit einer Botschaft auf Twitter für sich. Sie behaupteten, mindestens 80 Polizisten getötet und verletzt zu haben.

In der Nähe des Anschlagsorts im zentralen Regierungs- und Geschäftsviertels Schar-e Nau befinden sich auch die Gesandtschaft der Europäischen Union, mehrere Botschaften, darunter die von Schweden, Indien und Indonesien, ein Gebäude des afghanischen Geheimdienstes und weitere Regierungsgebäude sowie das Kabuler Polizeipräsidium. Die Straße gehört zu einer der am besten gesicherten Straßen der afghanischen Hauptstadt und wird von beiden Seiten mit mindestens zwei Sicherheitsposten geschützt; Fußgänger dürfen nur selten tief hinein. Am südlichen Ende, an dem die Explosion geschah, liegt der große Sedarat-Platz mit vielen Geschäften.

Die Explosion sei in der ganzen Stadt zu spüren gewesen, hieß es im Sender TOLONews. Bilder vom Anschlagsort zeigten von der Wucht der Detonation nackt hinterlassene Häuserfassaden mit herausgesprengten Fenstern, Türen und Ladenschildern. Die Straße war mit Glassplitter und Trümmern übersät. Fotos in sozialen Netzwerken zeigten eine riesige Rauchwolke.

Warnung vor neuen Anschlägen

Die Sicherheitslage in der afghanischen Hauptstadt hat sich seit Ende der Nato-Kampfmission im Dezember 2014 stark verschlechtert. 2017 gab es dort mehr als 20 schwere Anschläge der Taliban und der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Mehr als 500 Menschen starben bei den Attentaten. Zuletzt hatten Kämpfer der Taliban das Intercontinental-Hotel angegriffen und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer, darunter auch eine Deutsche.

Am Morgen hatten die afghanischen Behörden in einer Sicherheitswarnung speziell an Ausländer vor möglichen neuen Anschlägen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gewarnt. Demnach planen IS-Kämpfer Anschläge auf Supermärkte, Geschäfte und Hotels, die von Ausländern frequentiert werden.