Im Prozess um die Sprengstoffanschläge auf eine Moschee und ein Kongresszentrum in Dresden hat die Generalstaatsanwaltschaft dem Angeklagten fremdenfeindliche Motive vorgeworfen. Der Angeklagte Nino K. habe "aufgrund seiner außerordentlichen Abneigung gegenüber Ausländern muslimischen Glaubens" gehandelt, sagte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz bei der Anklageverlesung vor dem Landgericht Dresden.

Die Anschläge vor der zentralen Feier zum Tag der Deutschen Einheit hatten 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Die Staatsanwaltschaft wirft K. unter anderem versuchten Mord, Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und Herstellen weiterer Sprengvorrichtungen vor. Nino K. verweigerte bisher die Aussage. Auch zum Prozessauftakt wollte er sich nicht äußern.

Der heute 31-Jährige suchte sich nach Ansicht der Generalstaatsanwaltschaft bewusst eine Moschee für seinen ersten Anschlag aus. Das Gebäude lag nur wenige hundert Meter von der Wohnung des Angeklagten entfernt. "Er hat zumindest billigend in Kauf genommen, dass Menschen nicht nur verletzt, sondern auch getötet werden könnten", sagte der Oberstaatsanwalt. Der Angeklagte war bereits durch einen Auftritt beim islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnis in Erscheinung getreten und soll sich laut Anklage in diesem Umfeld auch radikalisiert haben.

"Das Schicksal der Menschen war ihm gleichgültig"

K. soll am 26. September 2016 drei selbstgebaute Rohrbomben und mehrere Behälter mit brennbarer Flüssigkeit vor der Fatih-Moschee abgelegt und per Zeitschaltuhr gezündet haben. Die Materialien soll er online bestellt haben.

Sprengstoffanschläge in Dresden

Der Imam, seine Frau sowie die damals sechs und zehn Jahre alten Söhne blieben bei dem Anschlag unverletzt. Durch die Wucht der Explosion wurde die Eingangstür nach innen gedrückt und die Fassade beschädigt. Nach Auffassung der Generalstaatsanwaltschaft passierte nur deshalb nichts Schlimmeres, weil der Sprengsatz nicht vollständig zündete. "Das Schicksal der Menschen war ihm gleichgültig", sagte Schulz.

Kurz darauf soll K. einen weiteren selbstgebauten Sprengsatz auf der Terrasse des Internationalen Congress Centrums am Elbufer gezündet haben. Der Angeklagte habe damit auch "ein Zeichen des Protests" gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung setzen wollen. Auch in diesem Fall richtete die Rohrbombe nur Sachschäden an. Da damals die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit bevorstanden, zu denen zahlreiche Spitzenpolitiker und Tausende Besucher in Dresden erwartet wurden, lösten die Anschläge erhebliche Besorgnis aus. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden noch einmal verstärkt.

Weitere Sprengsätze gefunden

Nach Auffassung der Anklage wollte der Angeklagte noch weitere Anschläge begehen, deren Ziel bisher unklar blieb. Er baute dafür einen 4,6 Kilogramm schweren Spreng- und Brandsatz, den die Ermittler in seiner Wohnung fanden. K. stellte zudem zwei weitere Sprengsätze her, die er der Staatsanwaltschaft zufolge aber aus Angst vor Entdeckung nicht einsetzte. Sie wurden später in der Elbe und der Weißeritz gefunden.

K. wurde schließlich durch Hinweise und DNA-Spuren überführt und im Dezember 2016 an seinem Arbeitsplatz auf einer Baustelle in Hessen festgenommen. Seitdem sitzt in Untersuchungshaft. Am Montag soll mit der Beweisaufnahme begonnen werden. Zunächst sind nach Gerichtsangaben Tatortermittler des Landeskriminalamts (LKA) als Zeugen geladen. Ein Urteil in dem Verfahren wird für Anfang April erwartet.