Asylbewerber dürfen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bei der Prüfung ihres Antrags keinem Test ihrer sexuellen Orientierung unterzogen werden. Zwar ist es den Behörden laut EuGH grundsätzlich erlaubt, Gutachten in Auftrag zu geben, um besser einschätzen zu können, ob ein Asylbewerber tatsächlich internationalen Schutz braucht. Diese müssten aber mit der Charta der Grundrechte der EU und der darin vorgeschriebenen Wahrung der Menschenwürde und dem Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens in Einklang stehen. 

Psychologische Tests zur Homosexualität beträfen "die intimsten Lebensbereiche des Asylbewerbers". Sie stünden daher in einem Missverhältnis zu ihrem Zweck und seien mit der EU-Grundrechtecharta nicht vereinbar, urteilte der EuGH. Das gelte auch, wenn der Test nur im Einvernehmen mit dem Asylbewerber durchgeführt wird, weil dieser bei seiner Zustimmung unter erheblichem Druck stehe.

In dem entschiedenen Fall geht es um einen Nigerianer, der Asyl in Ungarn beantragte. Er gab an, homosexuell zu sein. Wegen seiner sexuellen Orientierung befürchte er, in seinem Heimatland verfolgt zu werden. Die ungarischen Behörden fanden in seinen Angaben keine Widersprüche. Trotzdem wiesen sie den Asylantrag mit der Begründung ab, dass das von ihnen in Auftrag gegebene psychologische Gutachten seine sexuelle Orientierung nicht bestätigt habe. 

Wenn Dokumente und Unterlagen zum Beweis der sexuellen Orientierung des Asylbewerbers fehlten, könnten sich die Behörden unter anderem auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Asylbewerbers stützen, urteilten nun die Luxemburger Richter.