Eine deutsche Staatsangehörige ist im Irak wegen der Zugehörigkeit zum "Islamischen Staat" (IS) zum Tode durch Erhängen verurteilt worden. Wie ein Gericht in Bagad mitteilte, war die Frau mit marokkanischen Wurzeln von Deutschland aus nach Syrien und später in den Irak gereist, um sich der Terrororganisation anzuschließen. Die Angeklagte habe dem IS bei der Begehung von Taten geholfen, hieß es in einer Mitteilung des Gerichts. Zudem habe sie ihre Töchter in die Region mitgebracht und mit IS-Kämpfern verheiratet.

Die Frau habe "logistische Unterstützung und Hilfe für die Terrorgruppe geleistet, um Verbrechen zu verüben", sagte der Richter Abdel Settar Bairakdar. Sie könne gegen das Urteil Berufung einlegen. Wer die Frau ist, sagte der Richter nicht. 

Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung aus "irakischen Justizkreisen" handelt es sich bei der Verurteilten um die Deutsch-Marokkanerin Lamia K. aus Mannheim. Das Auswärtige Amt in Berlin und das Bundeskriminalamt wollten sich zur Identität der Frau auf Nachfrage von ZEIT ONLINE zunächst nicht äußern. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte lediglich, dass die Haltung der Bundesregierung zur Todesstrafe bekannt sei. Deutschland lehnt die Todesstrafe ab.

Im Irak sitzen mehrere Frauen aus Deutschland als mutmaßliche IS-Helferinnen im Gefängnis: Linda W. aus Pulsnitz, Fatima M. aus Detmold sowie Lamia K. und deren Tochter Nadja P.

Die 50 Jahre alte Lamia K. wurde nach Informationen der ZEIT und ZEIT ONLINE im marokkanischen Rabat geboren und ist deutsche Staatsbürgerin. Bevor sie ins damalige IS-Gebiet zog, hatte sie in Mannheim gelebt. 

Lamia K. war dem deutschen Verfassungsschutz bereits seit 2010 mehrfach als mutmaßliche IS-Anhängerin aufgefallen. Sie sei eine "intensive Nutzerin des dschihadistischen Internets", notierten die Nachrichtendienstler. Sie solle unter anderem auf YouTube islamistische Propaganda verbreitet und den IS-Attentäter Mohammed Merah gepriesen haben.

Mit Familie ins IS-Gebiet

Nach eigenen Angaben reiste K. im Sommer 2014 mit zwei Töchtern über die Türkei nach Syrien und später ins irakische Mossul. Eine ihrer Töchter sei behindert gewesen und im vergangenen Sommer in Mossul an den Folgen einer Schussverletzung gestorben. Mit ihrer anderen erwachsenen Tochter Nadja P. wurde Lamia K. im Juli schließlich im Irak festgenommen. Dort sitzen die Frauen seither in Haft.

Der deutsche Generalbundesanwalt ermittelt gegen sie wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. In einer Vernehmung durch deutsche Beamte äußerte sich Lamia K. nach ihrer Festnahme ausweichend: "Ich habe gehofft, dass ich in Syrien meinen Islam, meine Religion besser leben kann", sagte sie. In Deutschland habe sie sich nie wirklich akzeptiert gefühlt.

Eine offizielle Bestätigung der Identität der Verurteilten steht noch aus. Der Fall ist nicht der erste, indem gegen mutmaßliche ausländische IS-Unterstützer ein Todesurteil verhängt wurde – allerdings der erste einer Frau. Im September hatte ein irakisches Gericht bereits einen Russen zum Tod durch Erhängen verurteilt, nachdem dieser für schuldig befunden worden war.

Nach NDR-Informationen wurde das Auswärtige Amt in Berlin bereits in der vergangenen Woche über das Urteil informiert. Der deutsche Botschafter in Badgad sei daraufhin im irakischen Außenministerium vorstellig geworden und habe seinen Protest zum Ausdruck gebracht. Auf Nachfrage von ZEIT ONLINE wollte sich eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin auch dazu zunächst nicht äußern.