Rund sechs Monate nach den schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg ist ein 28-jähriger Randalierer zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Die vom Amtsgericht der Hansestadt verhängte Strafe ist die bislang höchste in einem Prozess wegen der Krawalle von Anfang Juli. Die bislang höchste Strafe betrug drei Jahre und drei Monate.

Nach Angaben eines Sprechers sah es das Gericht als erwiesen an, dass der in Hamburg lebende Deutsche in der Nacht vom 6. auf den 7. Juli den Boden einer Bierflasche abschlug, um das scharfkantige Geschoss während Ausschreitungen auf Polizisten zu werfen. Ein Beamter wurde davon leicht an der Hand verletzt.

Die Höhe der Strafe wegen gefährlicher Körperverletzung und anderer Delikte begründete das Gericht unter anderem damit, dass der Angeklagte offensichtlich bewusst in der Absicht gehandelt habe, Polizisten zu verletzten. Das sei bei der Strafzumessung "besonders schwerwiegend" gewertet worden. "Das war ein überaus widerliches Verhalten, was Sie da gezeigt haben", sagte Richter Johann Krieten an die Adresse des Angeklagten. "Es ging Ihnen darum, einen Polizeibeamten zu verletzen."

Ominöser Brief an das Gericht

Mit dem Urteil ging das Gericht auch deutlich über die Forderung der Staatsanwältin hinaus, die zwei Jahre und zehn Monate Haft gefordert hatte. Richter Krieten begründete die Höhe des Strafmaßes auch mit den zahlreichen Vorstrafen des Mannes – teils auch wegen einschlägiger Taten. Er hatte bereits mehrfach Haftstrafen verbüßt und befand sich während der Tat zudem in einer laufenden Bewährung.

Zu den Vorwürfen oder zu seinen persönlichen Verhältnissen äußerte sich der Angeklagte nicht. Wohl schrieb er einen Brief an das Gericht, in dem er sich zu einem Tötungsdelikt bekannt haben soll. Nach Angaben seines Verteidigers ist es den Behörden aber bislang nicht gelungen, den Angaben seines Mandanten einen Fall zuzuordnen. Demnach soll es sich um ein zehn Jahre zurückliegendes Verbrechen handeln, zu dem der Angeklagte aber nichts weiter sagen wollte.

Viele Täter noch immer unbekannt

Nach Gerichtsangaben war es das 27. Urteil in einem Verfahren wegen der G20-Ausschreitungen. Die meisten Strafen sind noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte Hunderte Strafverfahren gegen bekannte oder unbekannte Täter eröffnet. Eine Sonderkommission der Polizei ermittelt auch weiterhin.

Während des G20-Gipfels hatte es in Hamburg tagelang schwere Krawalle gegeben. Trotz des Einsatzes von mehr als 20.000 Polizisten zündeten Randalierer zahlreiche Autos an und plünderten Geschäfte. Hunderte Polizisten wurden verletzt.