Bei einem Angriff auf eines der größten Hotels in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 18 Menschen getötet worden, unter ihnen 14 Ausländer. Zudem seien alle sechs Angreifer in einem stundenlangen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften getötet worden, teilte ein Sprecher des Innenministeriums mit. Elf der getöteten Zivilisten waren diesen Angaben zufolge Angestellte der privaten afghanischen Fluggesellschaft KamAir. Mindestens sechs der Ausländer waren Ukrainer, wie Außenminister Pawel Klimkin sagte.

Mehr als 150 Menschen seien aus dem Hotel gerettet worden, sagte der Ministeriumssprecher. Er erklärte den Einsatz nach 13 Stunden für beendet. Ein dpa-Reporter vor Ort hörte allerdings auch später noch weitere Explosionen aus dem Hotel. Weiteren Augenzeugen zufolge sei die Zahl der Opfer zudem "viel höher" als das, was Regierungssprecher offiziell sagten. Die Attentäter hätten gezielt nach Ausländern und Regierungsbeamten gesucht und dann geschossen. 

Die angreifenden Männer waren laut Innenministerium kurz nach 21 Uhr Ortszeit von der Rückseite durch die Küche in das Hotel eingedrungen. Sie hätten in der Küche Feuer gelegt und sich dann im vierten und fünften Stock verschanzt. Aus dem Gebäude seien Schüsse, aber keine Detonationen zu hören gewesen. 

In einem per Mail verbreiteten Bekenntnis reklamierten die radikalislamischen Taliban den Anschlag für sich. Ob sie tatsächlich für den Anschlag verantwortlich sind, war zunächst unklar.

Taliban griffen Hotel schon 2011 an

Wie viele Gäste in dem Hotel waren, blieb zunächst unklar, ebenso, was genau der Anlass des Angriffs gewesen sein könnte. Im Hotel soll eine Hochzeitsfeier stattgefunden haben, hieß es. Der Sender 1TV berichtete, im Hotel habe an dem Tag eine Konferenz von afghanischen Computerexperten stattgefunden. Etwa 100 Menschen hätten teilgenommen, offenbar auch Regierungsbeamte.

Das Hotel war bereits 2011 angegriffen worden. Damals drangen neun Kämpfer der radikalislamischen Taliban in das Gebäude ein und töteten 21 Menschen. Die afghanische Hauptstadt wird immer wieder von Anschlägen und Angriffen erschüttert.

Tote bei weiteren Anschlägen

Neben dem Angriff auf das Hotel gab es am Wochenende weitere Anschläge in Afghanistan. So starben bei der Explosion eines Sprengkörpers an einer Straße in der westafghanischen Provinz Herat mindestens zwölf Menschen. Ein weiterer wurde verletzt. Außerdem wurden in der Provinz Balch in Nordafghanistan 18 Mitglieder einer regierungstreuen Miliz getötet, wofür die Taliban die Verantwortung reklamierten.

Auch in der Provinz Farah gab es einen Anschlag. Laut dem dortigen Polizeichef Mahruf Folad tötete eine Bombenexplosion einen stellvertretenden Polizeichef und verletzte vier weitere Polizisten.

Allein 2017 hatte es in Kabul mehr als 20 Anschläge der Taliban und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gegeben, dabei starben mehr als 500 Menschen.