Der wegen der Planung eines Anschlags festgenommene Karlsruher Terrorverdächtige Dasbar W. soll an einem Seminar des mutmaßlichen deutschen IS-Repräsentanten Abu Walaa teilgenommen haben. Dies berichtete der Südwestrundfunk unter Verweis auf Ermittlungsakten. Demnach besuchte der 29-Jährige eineinhalb Jahre vor seiner Festnahme im Dezember eine von Abu Walaa geleitete Veranstaltung in einer Hildesheimer Moschee.

W.s Verteidiger bestätigte dem Sender die Teilnahme. Sein Mandant sei damals im Juli 2016 mit der Aussicht auf Unterkunft und Verpflegung angelockt worden. Er sei abgereist, als er gesehen habe, dass die Veranstaltung der Radikalisierung gedient habe, so der Anwalt.

Die Sicherheitsbehörden nahmen W. im vergangenen Dezember fest. Sie hatten damals den Verdacht, dass er einen Fahrzeuganschlag auf eine Veranstaltung in Karlsruhe vorbereite. Er wurde zu diesem Zeitpunkt bereits seit Langem als potenziell gefährlicher Anhänger der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) permanent überwacht. Seit seiner Festnahme sitzt W. in Untersuchungshaft.

Gegen den Hassprediger Ahmad Abdullah A. alias Abu Walaa und vier weitere Beschuldigte läuft derzeit ein Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung vor dem Oberlandesgericht Celle. Die Bundesanwaltschaft hält Abu Walaa für den Anführer eines Netzwerks zur Rekrutierung von Kämpfern für die IS-Miliz. Bekannt wurde der Iraker als "Prediger ohne Gesicht", weil er in seinen Videos meist nur von hinten in einem schwarzen Umhang mit Kapuze zu sehen ist.

Im Umfeld des früheren Imams des inzwischen verbotenen Hildesheimer Deutschsprachigen Islamkreises verkehrte unter anderem auch Anis Amri, der das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016 verübt hat. Medienberichten zufolge soll Abu Walaa persönlich möglicherweise sogar dessen Lastwagenanschlag autorisiert haben, bei dem damals zwölf Menschen getötet wurden.