In der Kölner Innenstadt haben mehrere Tausend Kurden gegen den türkischen Militäreinsatz in Nordsyrien protestiert. "Terrorist Erdoğan" und "Diktator Erdoğan" riefen einige Demonstranten mit Bezug auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan. Viele Teilnehmer der Kundgebung trugen Transparente mit Aufschriften wie "Freiheit für Kurdistan", andere schwenkten Fahnen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die Kölner Polizei sprach von rund 14.000 Teilnehmern.

Die Polizei hatte zunächst den Demonstrationszug durch die nördliche Innenstadt nach wenigen Hundert Metern gestoppt und Demonstranten aufgefordert, Fahnen mit dem Konterfei des inhaftierten Chefs der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, einzurollen. Als Demonstranten weiterhin wiederholt PKK-Symbole zeigten, löste die Polizei die Veranstaltung auf. Vor der Kundgebung hatten die Beamten nach eigenen Angaben kistenweise Fahnen der PKK, Transparente und Bilder des inhaftierten PKK-Anführers sichergestellt. Zwei Menschen wurden in Gewahrsam genommen.

Die Polizei maß den Protesten in der Innenstadt ein "erhebliches Konfliktpotenzial" bei und war mit einem starken Aufgebot vor Ort, unter anderem mit Beamten aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen. Es wurde befürchtet, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und nationalistischen Türken kommen könnte. Bis zum Mittag blieb es nach Polizeiangaben jedoch relativ friedlich.  

Kistenweise PKK-Fahnen beschlagnahmt

Vor der Kundgebung hat es nach Polizeiangaben einen Zwischenfall gegeben. So wurden Beamte von Demonstranten mit Fahnenstangen attackiert. Die Polizei korrigierte am Mittag allerdings frühere Angaben und stellte klar, dass es keinen Schlagstockeinsatz gegeben hat. Der Ebertplatz, auf dem die Kundgebung stattfand, war weiträumig abgesperrt.

Zu der bundesweiten Großdemonstration unter dem Motto "Überall ist Afrin – Widerstand ist überall" hatte der kurdische Dachverband Nav-Dem aufgerufen, der laut Verfassungsschutz der PKK nahesteht. Anlass ist die türkische Offensive in der syrisch-kurdischen Region Afrin an der Südgrenze der Türkei. Die Militäraktion richtet sich gegen die YPG-Miliz, die die Regierung in Ankara als militärischen Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK einstuft.