Knapp 1.000 Kämpfer der islamistischen Terrororganisation Boko Haram haben sich den nigerianischen Streitkräften zufolge ergeben. Nach Einsätzen gegen die sunnitischen Fundamentalisten im nordöstlichen Bundesstaat Borno hätten sich rund 700 Kämpfer in der Region Monguno, 250 weitere im Gebiet des Tschadsees der Armee gestellt, teilte Militärsprecher Onyema Nwachukwu mit.

Es gab zunächst keine unabhängige Bestätigung für die Angaben des Militärs. Auch blieb zunächst unklar, in welchem Zeitraum sich die früheren Kämpfer gestellt hatten. Die Streitkräfte hatten erst am Montag mitgeteilt, dass in der Folge von Einsätzen gegen die Terrorgruppe im gleichen Gebiet rund 700 bislang von Boko Haram festgehaltene Zivilpersonen freigekommen seien. 

Die als unabhängig geltende nigerianische Zeitung Vanguard meldet in ihrer Onlineausgabe am Samstag, 200 Boko-Haram-Kämpfer hätten sich rund um den Tschadsee gestellt. Das nigerianische Militär habe zuvor dort Stellungen der Kämpfer rund um den Tschadsee heftig bombardiert. Dabei sei auch ein Anführer von Boko Haram, der unter dem Namen Mamman Nur bekannt ist, schwer verletzt worden. Der Kameruner Kämpfer, der auf Platz zwei oder drei der Rangfolge stehen soll, habe gute Kontakte zu anderen afrikanischen Terrorgruppen, unter anderen AQMI (Al-Kaida im Maghreb) und Al-Shabaab in Somalia. Die Zeitung Vanguard berzeichnet ihn gar als faktischen Chef der Gruppe.

Vanguard schreibt weiterhin, der Niger habe den Kämpfern von Boko Haram Amnestie garantiert. Viele Kämpfer versuchten nun, sich dorthin zu retten. Niger grenzt im Norden an Nigeria und ist – wie auch der Norden Nigerias – mehrheitlich muslimisch. Im Jahr 2015 hat Boko Haram dort erstmals Anschläge verübt.

Die Militäroperation rund um den Tschadsee, der im Nordosten Nigerias und im Südwesten des Tschad liegt, läuft seit mehreren Tagen. An Neujahr meldete die nigerianische Armee bereits auf Twitter, dass die Strukturen von Boko Haram kollabierten. Am 5. Januar war auf Twitter von "enormen Erfolgen" des Militärs zu lesen, das einen "entscheidenden Schlag" gegen die Gruppe verübt habe, bei dem auch Waffen und Ausrüstung erbeutet worden seien.


Bei Angriffen und Anschlägen der Terrormiliz Boko Haram sind im Nordosten Nigerias und angrenzenden Gebieten seit 2009 mindestens 20.000 Menschen getötet worden.