Zahlreiche junge Politikerinnen klagen über Sexismus und sexuelle Belästigungen in ihren Parteien. Das berichtet die Huffington Post. Das Portal hat nach eigenen Angaben Antworten von 95 Politikerinnen der fünf größten Jugendorganisationen ausgewertet.

Die HuffPost hat demnach rund 250 Frauen von der Jungen Union, den Jusos, den Jungen Liberalen, der Linksjugend und der Grünen Jugend einen Fragebogen geschickt, die Rückmeldungen konnten anonym erfolgen. Außerdem führte die HuffPost 20 persönliche Interviews. Dem Bericht zufolge gab jede dritte Frau an, im Rahmen ihrer politischen Arbeit sexuell belästigt worden zu sein.

Einige Frauen berichteten der HuffPost von Vergewaltigungen. Eine Politikerin, die anonym bleiben wollte, schrieb: "Ich wurde bei einem politischen Wochenende vergewaltigt. Es ist schwer, entsprechende Dinge als Frau gegen einen Mann ins Gespräch zu bringen, da man so schnell an Ansehen verliert, gerade wenn der Mann höhergestellt ist." Laut der Berichte hätten solche Vorfälle nur selten Konsequenzen, schreibt die HuffPost.

"Ich werde häufig belächelt"

Viele junge Politikerinnen haben laut HuffPost außerdem den Eindruck, nicht ernst genommen zu werden. Mehr als 70 Prozent der Frauen, die den Fragebogen ausfüllten, gaben an, dass sie manchmal das Gefühl hätten, ihre männlichen Kollegen würden ernster genommen als sie. Knapp die Hälfte der Frauen habe außerdem das Gefühl, dass ihre Ambitionen belächelt würden.

Die stellvertretende Landesvorsitzende der Jusos im Saarland, Kristin Brück, sagte der HuffPost: "Ich werde als junge Frau häufig belächelt, als 'Mädchen' bezeichnet und von älteren Männern wird mir immer gesagt, dass ich auf sie hören solle."

Im Herbst 2016 hat es schon einmal eine Debatte über Sexismus in der Politik gegeben. Die Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends hat damals öffentlich von ihren Erfahrungen in der CDU berichtet. In den vergangenen Monaten haben außerdem zahlreiche Frauen Sexismus und sexuelle Gewalt unter dem Hashtag MeToo öffentlich angeprangert.