Die niederländische Behörde für Atomsicherheit hat eine Zusammenarbeit mit Deutschland und Belgien gefordert. Ein Atomunglück in einem der drei Länder hätte schließlich unmittelbare Konsequenzen für die Nachbarländer, heißt es in einem Bericht der Behörde. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, sollten mehr gemeinsame Übungen abgehalten werden. Nur so seien Deutschland, Belgien und die Niederlande in der Lage, einer etwaigen Krise gemeinschaftlich zu begegnen. Insgesamt äußerte sich die Behörde aber zufrieden mit der Kooperation: Die Zusammenarbeit der drei Länder zur Verhinderung eines Atomunfalls gestalte sich grundsätzlich positiv.

Auch der niederländische Untersuchungsrat zu Sicherheitsfragen äußerte sich zur Frage der atomaren Sicherheit und kritisierte die Zusammenarbeit der Länder: Die Niederlande, Belgien und Deutschland müssten für den Fall eines Reaktorunfalls ihre Katastrophenpläne besser abstimmen und die Bürger besser informieren. Die Experten stellten fest, "dass die Zusammenarbeit auf Papier zum Teil geregelt ist, aber wahrscheinlich nicht gut verlaufen wird, wenn tatsächlich ein Nuklearunglück geschieht". Beispielweise ergriffen alle drei Länder unterschiedliche Maßnahmen, um Bürger vor Strahlungen zu schützen.

In Belgien sind derzeit zwei Atomkraftwerke mit insgesamt sieben Reaktorblöcken am Netz: Tihange, das etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt liegt, und Doel. Für Tihange, über dessen Sicherheit seit Jahren Bedenken geäußert werden, sollte ursprünglich im Zeitraum zwischen 2022 und 2025 abgeschaltet werden. Die belgische Partei Neue Flämische Allianz (N-VA) wirbt jedoch für eine Gesetzesänderung und die Verlängerung der Laufzeit zweier Reaktoren, denn die Alternativen seien nicht wirtschaftlich und würden die Umwelt mit einem deutlich höheren CO2-Ausstoß belasten.

In Deutschland sind sieben Atomkraftwerke mit sieben Reaktorblöcken aktiv. 29 Reaktorblöcke wurden mittlerweile stillgelegt. In den Niederlanden ist am Standort Borssele ein Kernkraftwerk mit einem Reaktorblock am Netz.

Belgien - Atomausstieg verschoben An der deutsch-belgischen Grenze stehen drei der sieben Atomkraftwerke Belgiens. Darüber, ob und wann sie abgeschaltet werden sollen, streiten Politiker und Wissenschaftler. Eine Videoreportage © Foto: Emmanuel Dunand / Getty Images