Frauen in Saudi-Arabien dürfen am kommenden Freitag erstmals in der Geschichte des Landes ein Fußballspiel besuchen. Weibliche Besucher seien im Stadion der Hafenstadt Dschidda bei einer Partie der ersten saudischen Liga zugelassen, teilte die saudische Regierung mit. Bei der Begegnung treffen die Teams Al-Ahli und Al-Batin aufeinander.

Nach Angaben der Regierung dürfen Frauen in diesem Monat noch zwei weitere Spiele der ersten saudischen Liga besuchen. Allerdings werden sie nicht allein, sondern nur in Begleitung der Familie eingelassen. Besuche von Fußballspielen sind ihnen in insgesamt drei Stadien gestattet, in denen es spezielle Familienblöcke gibt.

In dem islamisch-konservativen Königreich gelten strenge gesellschaftliche Regeln für Frauen. Unter Leitung von Kronprinz Mohammed bin Salman will das Königshaus aber einige Reformen durchsetzen. Salman hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt im Juni eine Abkehr von den ultrakonservativen Religionsprinzipien angekündigt.

Kinos und Konzerte

So soll Frauen in diesem Jahr auch das Autofahren erlaubt werden. Einmalig durften Frauen am vergangenen Nationalfeiertag Ende September schon einmal zu einer Feier ins Nationalstadion in Riad. Zudem hat Saudi-Arabien nach 35 Jahren das Kinoverbot im Land aufgehoben. Im März sollen die ersten kommerziellen Kinos öffnen, kündigte das saudische Kultur- und Informationsministerium an. Lizenzen würden ab sofort ausgestellt. Auch sollen wieder Konzerte erlaubt werden.  

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen Auslegung des Islam. Das Herrscherhaus der Al-Sauds hatte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit wahhabitischen Religionsgelehrten geschlossen, das bis heute Bestand hat und den Gelehrten weitreichenden Einfluss auf die Religions- und Lebenspraxis in Saudi-Arabien gewährt.

Mit der Modernisierung will Kronprinz Salman die absolutistische Monarchie, in der mehr als die Hälfte der Einwohner jünger als 25 sind, auf die Zeit vorbereiten, in der die Öleinnahmen zurückgehen werden. Im November ließ seine Regierung im Zuge einer Antikorruptionskampagne zahlreiche Prinzen und frühere Regierungsminister verhaften