Deutschland hat seit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor 13 Monaten 36 als islamistische Gefährder eingestufte Menschen abgeschoben. Von dieser Zahl berichtet die taz, nachdem sie alle Bundesländer um Auskunft gebeten hatte. Auch unter den 17 Afghanen, die am Dienstag von Düsseldorf aus nach Kabul abgeschoben worden sind, sei ein 22-Jähriger gewesen, den das Thüringer Innenministerium als sogenannten Gefährder eingeschätzt hätte. Die meisten als Gefährder eingestuften Islamisten (acht) schob laut taz Nordrhein-Westfalen ab, gefolgt von Baden-Württemberg (sechs) und Berlin (fünf).

Insgesamt war die Zahl der Gefährder, die Deutschland unter Zwang verlassen mussten, aber wohl noch höher. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sprach laut taz von rund 60 abgeschobenen Gefährdern im Jahr 2017. Unter ihnen seien auch Islamisten gewesen, für die eine Abschiebung auf einer anderen rechtlichen Grundlage angeordnet worden sei – weil ihr Asylantrag abgelehnt wurde oder weil sie straffällig geworden waren.

Als Gefährder gilt ein Islamist, wenn ihm die Polizei einen Terroranschlag zutraut. Auch der tunesische Terrorist Anis Amri, der auf dem Berliner Breitscheidplatz in Berlin mit einem gestohlenen Lastwagen absichtlich Weihnachtsmarktbesucher überfuhr und insgesamt zwölf Menschen tötete, war als Gefährder eingestuft worden.

Meiste Gefährder sind Deutsche

Die meisten der in Deutschland als Gefährder eingestuften Menschen haben einen deutschen Pass. Das berichtet DIE ZEIT in ihrer aktuellen Ausgabe unter Berufung auf die teilweise als Geheimsache eingestufte Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD. Demnach sind 367 der 711 islamistischen Gefährder, die zum Stichtag 24. November 2017 in Deutschland lebten, deutsche Staatsbürger. 245 von ihnen haben ausschließlich einen deutschen Pass, 122 von ihnen haben zusätzlich noch einen anderen. Unter den Ausländern, die von den Behörden als Gefährder beobachtet werden, stellen Syrer (99 Menschen) und türkische Staatsbürger (66) die größten Gruppen.

Deutsche Sicherheitsbehörden wissen laut ZEIT außerdem von rund 30 Islamisten und etwa sechs Kindern mit deutscher Staatsangehörigkeit, die in Staaten des Nahen Ostens festgesetzt wurden. Sie seien nach militärischen Erfolgen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) aufgegriffen worden. Aktuell hielten sie sich in Syrien, der Türkei oder dem Irak auf. Zu mindestens sieben von ihnen habe die Bundesregierung konsularischen Zugang. Für Aufsehen gesorgt hatte zuletzt der Fall der Deutsch-Marokkanerin Lamia K., die als IS-Unterstützerin im Irak zum Tode verurteilt worden war.